Pater Lawrence Patin
Viele der blinden und sehgeschädigten Schüler an unserer Blindenschule
haben zuhause nie gelernt, sich selbständig im Leben zurechtzufinden.
Einige konnten sich nach Aufnahme in die Blindenschule anfangs kein
Essen zubereiten, weil dies immer ihre Eltern in übertriebenem
Pflichtbewusstsein für sie erledigt hatten. Boonchai ist da ein
Sonderfall. Als der Achtjährige vergangenen September ins Blindenheim
kam, konnte er noch nicht mal richtig kauen, geschweige denn, das
Besteck benutzen. Er hatte sein ganzes Leben lang nur Babybrei bekommen.
Das
wird eine tolle Torte!
Da wird die Kantine zum Klassenzimmer. Die Kinder lernen, wie man mit
Gabel und Löffel isst und wie sie erkennen können, was sie serviert
bekommen. Dann wissen sie nämlich auch, was sich wo auf dem Teller
befindet. Wer zur Jahresmitte mal beim Mittagessen in der Kantine
vorbeischaut, wird erstaunt sein, wie selbstverständlich die Kinder mit
dem Besteck umgehen. Da landet nicht ein Klecks neben dem Teller. Wer
sich heute mit Boonchai unterhält, dem wird er sagen, dass er Hühnchen
liebt und beim Essen keine Hilfe mehr benötigt. Mit steigendem Alter
müssen die Kinder aber auf noch mehr Selbständigkeit vorbereitet werden.
In der Schule lernen die Kinder auch, selbst zu kochen. Das Leben in der
Father Ray Kindersiedlung ist wie ein normales Familienleben. Die Kinder
leben dort, essen und spielen in familiärer Umgebung. Oft besuche ich
sie beim Abendessen in einem der Heime und dann am nächsten Morgen beim
Frühstück.
Happy
Birthday!
Derzeit gastiert eine niederländische Austauschgruppe bei uns, die in
ihrer Heimat Ernährungswissenschaften studiert. Sie machen eine
Recherche über die thailändische Küche und ermitteln den exakten
Nährwert von Gemüse, Obst und allen anderen Lebensmitteln. Unter
strenger Beachtung der Ergebnisse erstellen unsere Köche und „Mütter“
dann ein Menü, das wissenschaftlich erwiesen gesund und nahrhaft ist.
Es ist so herzerwärmend zu sehen, wie die Kinder mit ihren „Müttern“ um
die Tische sitzen und herzhaft zulangen. Auch für die „Mütter“ wird ein
Menü zubereitet, womit beim Essen immer für Abwechslung gesorgt ist. Die
Kinder reichen sich gegenseitig die Gerichte, räumen zum Schluss den
Tisch ab und verrichten abwechselnd den Abwasch. Im Kinderheim essen
Mädchen und Jungs in getrennten Sälen. Zu essen bekommen sie aber das
Gleiche, denn sie sind auch gleichermaßen hungrig, bedingt durch das
eifrige Lernen und das Herumtoben auf dem Spielplatz.

Auf die richtige Mischung kommt es an.
Und ihre jungen
Körper benötigen nährstoffreiches Essen, damit sie in ihrer körperlichen
und geistigen Entwicklung nicht gehemmt werden. Wie beim Spülen wechseln
sie sich vor dem Essen auch regelmäßig beim Auslegen von Geschirr und
Besteck oder anschließend beim Säubern der Kantine ab.
Neben vielen weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten bieten wir unseren
Kindern auch einen Kochkurs an. In unserer hauseigenen Bäckerei erlernen
sie allerlei über die Zubereitung von Backwaren. Wenn wir die monatliche
Geburtstagsfeier abhalten, sind es natürlich die Geburtstagskinder, die
zusammen mit dem Koch den Kuchen backen. Was die Kinder nicht selbst
verspeisen, wird oft den Besuchern geschenkt.
Kommen Sie einmal bei uns vorbei und sehen Sie sich alles selbst an.

Nur gesunde und nahrhafte Zutaten werden verwendet.