8. Jahrgang
Ausgabe Nr.28

14. Juli - 20. Juli 2009
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Junge Tourismusbotschafter – und alle sprechen fast nur Thai

Franz Schmid

Neulich nahm ich am Finale des Wettbewerbes zum Jung-Tourismusbotschafter Pattayas teil.
Eine schöne Sache, gut aufgezogen (bis auf die plärrenden überlauten Lautsprecher) im Big C-Garten. Viele Leute saßen auf der Treppe, die in den ersten Stock zum Einkaufszentrum führt, und viele andere auf bereitgestellten Stühlen. Ich zählte unter allen Zuschauern vielleicht an die 10 Farangs.
Ich machte mir danach Gedanken darüber, ob diese Show vielleicht für thailändische Touristen al-
leine gedacht ist, denn die jungen Bewerber um den Titel machten alle ihre Aussagen in Thai-Sprache. Nun, sie erhielten aber auch Zettel mit Fragen in Thai-Schrift. Wollte man nun die Farangs mit Absicht da raus halten? Oder können weder die Lehrer noch die Schüler oder, Gott behüte, gar die Juroren kein Englisch?
Die Jugendlichen mussten nicht nur Fragen beantworten, sondern sie mussten auch Shows zeigen. Egal, ob Gesang, Tanz oder Malen, sie mussten zeigen, dass sie künstlerisch begabt sind. Was aber hat dies alles mit Tourismus zu tun? Der Bewerb wurde bereits zum vierten Mal hintereinander abgehalten, und ich muss gestehen, außer dass ich kurz nach den Finalen darüber las, dass der/die Sieger/in zum Eiscremeessen eingeladen waren, habe ich sonst nie wieder jemals etwas von ihnen gehört geschweige denn gesehen. Noch nie habe ich gesehen, dass der Sieger irgendwo für Touristen getanzt, gesungen oder gespielt hat, wenn man von einer Auskunft, die er/sie normalerweise geben sollte, wenn sie gefragt werden, mal absieht.
Für was oder wen wird nun dieser ganze Rummel, an dem die Kinder zwar Spaß haben, gemacht? Nur damit sie Spaß haben? Oder damit sich die Verantwortlichen wieder einmal im Scheinwerferlicht präsentieren können und mit gutem Gewissen, dass sie „etwas“ für Pattaya getan haben, weiter schlafen können? Oder was? Hilft es Pattaya wirklich, einen Jugendbotschafter zu haben, der kein Englisch spricht? Normalerweise müsste so ein kleiner Botschafter doch auch irgendwo zu erreichen sein – aber wo? Vielleicht aber sehe ich auch alles falsch oder bin immer am falschen Ort zur falschen Zeit und bekomme deshalb nicht mit, was diese kleinen Botschafter denn nun wirklich treiben.
Persönlich denke ich, dass, mal abgesehen von einheimischen Touristen, die meisten aus dem Ausland kommen. Davon wieder sprechen die meisten Englisch, manchmal gebrochen, aber immerhin können sie sich mit der Weltsprache einigermaßen weiterbringen. Was bitte, so frage ich nun wirklich etwas naiv, hilft da ein kleiner Botschafter, der a) nicht aufzutreiben ist, b) kein Englisch spricht), und c) den wissensbegierigen Touristen nur was vortanzen kann?
Ich könnte mir vorstellen, dass die Bewerber bei diesem Wettbewerb gutes Englisch sprechen können müssen, die Geschichte der Stadt auswendig kennen und diese auch auf Englisch erklären können, über alle Sehenswürdigkeiten genau Bescheid wissen und sehr beredt, gewandt und kein bisschen scheu sind. Die Jury müsste zum Teil aus Farangs und zum Teil aus fließend Englisch sprechenden Thais bestehen, um auch garantieren zu können, dass der richtige Bewerber, der gar nicht tanzen oder singen können muss, gewählt wird.


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