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Junge Tourismusbotschafter – und alle sprechen fast nur Thai
Franz Schmid
Neulich nahm ich am Finale des Wettbewerbes zum Jung-Tourismusbotschafter
Pattayas teil.
Eine schöne Sache, gut aufgezogen (bis auf die plärrenden überlauten
Lautsprecher) im Big C-Garten. Viele Leute saßen auf der Treppe, die in den
ersten Stock zum Einkaufszentrum führt, und viele andere auf bereitgestellten
Stühlen. Ich zählte unter allen Zuschauern vielleicht an die 10 Farangs.
Ich machte mir danach Gedanken darüber, ob diese Show vielleicht für
thailändische Touristen al-
leine gedacht ist, denn die jungen Bewerber um den Titel machten alle ihre
Aussagen in Thai-Sprache. Nun, sie erhielten aber auch Zettel mit Fragen in
Thai-Schrift. Wollte man nun die Farangs mit Absicht da raus halten? Oder können
weder die Lehrer noch die Schüler oder, Gott behüte, gar die Juroren kein
Englisch?
Die Jugendlichen mussten nicht nur Fragen beantworten, sondern sie mussten auch
Shows zeigen. Egal, ob Gesang, Tanz oder Malen, sie mussten zeigen, dass sie
künstlerisch begabt sind. Was aber hat dies alles mit Tourismus zu tun? Der
Bewerb wurde bereits zum vierten Mal hintereinander abgehalten, und ich muss
gestehen, außer dass ich kurz nach den Finalen darüber las, dass der/die
Sieger/in zum Eiscremeessen eingeladen waren, habe ich sonst nie wieder jemals
etwas von ihnen gehört geschweige denn gesehen. Noch nie habe ich gesehen, dass
der Sieger irgendwo für Touristen getanzt, gesungen oder gespielt hat, wenn man
von einer Auskunft, die er/sie normalerweise geben sollte, wenn sie gefragt
werden, mal absieht.
Für was oder wen wird nun dieser ganze Rummel, an dem die Kinder zwar Spaß
haben, gemacht? Nur damit sie Spaß haben? Oder damit sich die Verantwortlichen
wieder einmal im Scheinwerferlicht präsentieren können und mit gutem Gewissen,
dass sie „etwas“ für Pattaya getan haben, weiter schlafen können? Oder was?
Hilft es Pattaya wirklich, einen Jugendbotschafter zu haben, der kein Englisch
spricht? Normalerweise müsste so ein kleiner Botschafter doch auch irgendwo zu
erreichen sein – aber wo? Vielleicht aber sehe ich auch alles falsch oder bin
immer am falschen Ort zur falschen Zeit und bekomme deshalb nicht mit, was diese
kleinen Botschafter denn nun wirklich treiben.
Persönlich denke ich, dass, mal abgesehen von einheimischen Touristen, die
meisten aus dem Ausland kommen. Davon wieder sprechen die meisten Englisch,
manchmal gebrochen, aber immerhin können sie sich mit der Weltsprache
einigermaßen weiterbringen. Was bitte, so frage ich nun wirklich etwas naiv,
hilft da ein kleiner Botschafter, der a) nicht aufzutreiben ist, b) kein
Englisch spricht), und c) den wissensbegierigen Touristen nur was vortanzen
kann?
Ich könnte mir vorstellen, dass die Bewerber bei diesem Wettbewerb gutes
Englisch sprechen können müssen, die Geschichte der Stadt auswendig kennen und
diese auch auf Englisch erklären können, über alle Sehenswürdigkeiten genau
Bescheid wissen und sehr beredt, gewandt und kein bisschen scheu sind. Die Jury
müsste zum Teil aus Farangs und zum Teil aus fließend Englisch sprechenden Thais
bestehen, um auch garantieren zu können, dass der richtige Bewerber, der gar
nicht tanzen oder singen können muss, gewählt wird.
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