8. Jahrgang
Ausgabe Nr.29

21. Juli - 27. Juli 2009
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Die Besserwisser

Franz Schmid

Der tragische Tod eines Jugendlichen im Schwimmbecken des Pattaya Parks hat weltweit in den Medien und im Internet für Aufsehen erregt. Was war geschehen? Der Junge und seine Familie, die seit neun Monaten in Pattaya leben, hatten einen Ausflug zum Pattaya Park unternommen, um vor ihrer Abreise nach Indien noch einmal auszuspannen.
Plötzlich war der Junge verschwunden, obwohl er kurz zuvor noch im Schwimmbecken gesehen wurde. Die Eltern alarmierten die Rettungsschwimmer der Anlage, weil sie den Verdacht hatten, der Junge könne sich in einem Schacht des Pumpensystems verfangen haben. Die Rettungsschwimmer reagierten darauf erstmal volle 30 Minuten überhaupt nicht. Sie behaupteten, dies sei unmöglich, da die Gitter zu den Pumpenschächten verschlossen sind und nicht geöffnet werden können. Leider aber war dem nicht so. Der Junge öffnete bei der Suche nach seiner verlorenen Schwimmbrille eines der Gitter und tauchte in den Schacht, aus dem er nicht mehr entkam.
Erst auf Drängen der Eltern ließ sich die Verwaltung nach qualvollen 30 Minuten dazu erweichen, im Pumpenraum ein Gatter zu öffnen. Zu aller Entsetzen wurde der Leichnam des Jungen herausgespült.
Das Aufsichtspersonal am Swimmingpool sagte später als Entschuldigung, seit Inbetriebnahme des Schwimmbeckens vor zehn Jahren sei bisher kein Unfall passiert. Außerdem habe man sich davon überzeugt, dass die Gitter zu den Pumpenschächten verschlossen waren. „Was nicht sein darf, kann nicht sein“ scheint hier das Motto gewesen zu sein. Die Besserwisser werden mit der moralischen Schuld ihr Leben lang weiter leben müssen. Das ist allerdings ein schwacher Trost für die Familie, die eine genaue Untersuchung des Vorfalls und der Standards der Sicherheitseinrichtungen fordert.
Die Verwaltung des Vergnügungsparks hat der Familie auf der Stelle eine Entschädigung angeboten. Die Familie hat dies abgelehnt, denn „jetzt ist nicht die Zeit, um über Geld zu reden“. Offensichtlich glaubt die Verwaltung, mit Geld könne man alles regeln und irgendwie aus der Welt schaffen. Ähnliche Praktiken sind in Thailand ja sehr verbreitet, vor allem bei Verkehrsunfällen und dem Stellen von Kautionen bei mehr oder minder großen Straftaten.
Auf Pattaya wirft der Vorfall wieder einmal ein schlechtes Licht, was man in dieser angespannten Lage, in der sich die Tourismusindustrie befindet, überhaupt nicht gebrauchen kann. Oft scheint es, einige einheimische Publikationen haben die Schere im Kopf, wenn es um derartige Berichte geht. Man ängstigt sich, das Ansehen Thailands zu schädigen, oder es ist der Tourismusindustrie abträglich und man publiziert einfach nicht.
Doch in der heutigen Welt gehen Nachrichten mit Lichtgeschwindigkeit um den ganzen Globus, ob man das nun mag oder nicht. Mit einer objektiven Berichterstattung ist der Sache mehr gedient als mit Verschweigen. Leider sind die Medien nicht so frei, wie es den Anschein hat. Da muss man auf wirtschaftliche oder politische Rücksichten acht geben. Diese Interessen haben Vorrang. Auch das ist eine Tatsache, ob man es nun mag oder nicht.


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