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8. Jahrgang
Ausgabe Nr.32

11. August - 17. August 2009
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Wibke Bruhns liest Auszüge aus „Meines Vaters Land“

Wolfram Reda

Wibke Bruhns ist vielen Deutschen als erste Moderatorin der Nachrichtensendung „Heute“ und durch ihre Beiträge im „Stern“ bekannt. Am 29. Juli 2009 stellte die Journalistin ihr Buch „Meines Vaters Land“ im Goethe-Institut Bangkok vor. Das Buch ist 2004 erschienen, wurde in viele Sprachen übersetzt und gilt als Bestseller. Weitere Lesungen fanden in der Deutschen Botschaft und in der Chulalongkorn-Universität in Bangkok statt.
Die Autorin, 1938 geboren, war die jüngste Tochter des Geschäftsmannes und Abwehroffiziers Hans Georg Klamroth aus Halberstadt. Klamroth gehörte zum Kreis der Attentäter des 20. Juli 1944. Er wurde am 15.August 1944 im Volksgerichtshof Berlin wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 26. August in Plötzensee hingerichtet.

Wibke Bruhns beim Autogrammschreiben nach der Lesung.
Wibke Bruhns kannte ihren Vater kaum. Bei seinem Tod war sie sechs Jahre alt, aber als Soldat war er nur selten zu Hause gewesen. Etwa verbliebene Erinnerungen wurden durch das traumatische Erlebnis des Großangriffs auf Halberstadt im April 1944 ausgelöscht. Auslöser für ihr Buch „Meines Vaters Land“ waren Fotos ihres Vaters, die im Volksgerichtshof aufgenommen worden waren und im deutschen Fernsehen viele Jahre danach ausgestrahlt wurden.
Ursprünglich wollte die Autorin ein Buch über ihren Vater schreiben. Sie wollte diesen ihr unbekannten Mann verstehen: Was hat ihn so werden lassen, wie er war? Was hat seine Eltern so werden lassen, dass sie ihn so erzogen haben? Welche Prägungen wurden da von der Gesellschaft geformt, Generationen lang umgeformt und weitergereicht? Man kann Menschen nur in ihrem geschichtlichen Umfeld beschreiben, wenn ihr Verhalten verständlich werden soll. So ist das Buch auch Teil eines Portraits der deutschen Gesellschaft.
Gleichzeitig ist es auch ein privates Buch, denn die Hauptperson war immerhin der Vater der Autorin. Der hatte nicht nur schätzenswerte Seiten. Äußerlich hat Wibke Bruhns sich schon an seiner Sprache gerieben, über manche Passagen in seinen Briefen war sie entsetzt, weil das Ideal, Lebensraum für das deutsche Volk zu schaffen, darin eine allzu große und unbefragte Selbstverständlichkeit war. Wibke Bruhns wehrt sich dagegen, ein verständnisvolles Buch geschrieben zu haben. Es ist eine Dokumentation, beste journalistische Handwerksarbeit.
Für die Arbeit an dem Buch war es von Vorteil, dass Wibke Bruhns ihren Vater kaum kannte und keine Gelegenheit hatte, sich mit ihm zu identifizieren. Keine persönliche Erinnerung störte die journalistische Recherche. Die Befragung ihrer Geschwister, von Freunden der Familie und anderen Zeitzeugen erwies sich als unergiebig.
Das Bild des Vaters war in feststehende Redewendungen gegossen, zu Legenden verklärt. „Weißt du noch, wie Vater ...“ Oft hemmte die stillschweigende Familienübereinkunft, nicht über „damals“ zu reden, das Erinnerungsvermögen. Im Nachkriegsdeutschland bis hinein in die sechziger Jahre galten die Attentäter des 20. Juli und ihre Familien immer noch als Verräter. In Schweden, wohin Klamroths Witwe mit ihren Kindern zog, durfte man nicht zeigen, dass man deutsch war, die Schulkinder durften mit dem deutschen Kind nicht spielen. Doch gab es viel schriftliches Material: Ihr Vater hatte wöchentlich Rundbriefe an seine Familie geschrieben, es gab die Tagebücher mehrerer Familienmitglieder, dazu Fotografien und viele andere Quellen.
Im Goethe-Institut las Wibke Bruhns aus dem Prolog ihres Buches. Willi Germund, Korrespondent der „Berliner Zeitung“ in Bangkok, moderierte den Abend. Eine lebhafte Diskussion schloss sich der Lesung an. Immer wieder wurde die Betroffenheit der Autorin über die Verurteilung ihres Vaters und über seinen Tod durch Erhängen deutlich. Das Publikum verabschiedete sich von der erstaunlich frischen, bewegten, authentischen und ganz und gar nicht erstarrten Siebzigjährigen durch lang anhaltenden Beifall.
Frau Dr. Ulrike Lewark, die stellvertretende Leiterin des Goethe-Instituts Bangkok, dankte der Autorin und überreichte ihr Blumen und ein Buchgeschenk. Auch Dr. Hanns Schumacher, der deutsche Botschafter in Bangkok, der sie bereits aus seiner Zeit in Israel kannte, gratulierte ihr zu ihrem Erfolg. Wibke Bruhns freute sich darüber, dass ihr Buch auch geographisch so weite Kreise gezogen hat.

Dr. Ulrike Lewark, Willi Germund, Botschafter Dr. Hanns Schumacher
und die Autorin Wibke Bruhns stellen sich zum Erinnerungsfoto.


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