8. Jahrgang
Ausgabe Nr.36

8. September - 14. September 2009
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Ein in Vergessenheit geratenes Thema

Franz Schmid

Kürzlich wurde auf einem Seminar in Pattaya ein Thema behandelt, das anscheinend in Vergessenheit geraten war: die Korruption in Thailand. Auch der Begriff Korruption scheint vielen nicht mehr geläufig zu sein, daher hier die Definition aus der Wikipedia: Korruption (lat. corruptus – bestochen) im juristischen Sinn ist der Missbrauch einer Vertrauensstellung in einer Funktion in Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Politik oder auch nichtwirtschaftlichen Vereinigungen oder Organisationen, zum Beispiel auch Stiftungen, um einen materiellen oder immateriellen Vorteil zu erlangen, auf den kein rechtlich begründeter Anspruch besteht.
Korruption bezeichnet Bestechung und Bestechlichkeit, Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Im politischen Sinn ist Korruption nach einer Definition des Politikwissenschaftlers Harold Dwight Lasswell die Verletzung eines allgemeinen Interesses zu Gunsten eines speziellen Vorteils. In einer weiter gefassten Definition bedeutet Korruption auch „moralische Verdorbenheit“.
Interessanterweise fand dieses Seminar mit dem Thema „Thais sollen nicht betrügen“ statt, wandte sich daher augenscheinlich an die eigene Bevölkerung bzw. an diejenigen, die in Machtpositionen sitzen. Auch setzte sich das Seminar ein hohes Ziel: Die Korruption soll ein für allemal ausgerottet werden, zum Wohl des Vaterlandes natürlich. Das wird jedoch ein weiter Weg werden, denn im internationalen Vergleich landet Thailand auf der Liste der von der Korruption am wenigsten betroffenen Länder auf Platz 80, Dänemark auf Platz 1. Bei insgesamt 183 Ländern, die vom internationalen Zentrum für Korruptionsforschung untersucht wurden, ist dies dennoch ein guter Platz im Mittelfeld.
Im thailändischen Sprachgebrauch ist das Wort „Korruption“ nicht so sehr üblich, man ersetzt es lieber durch „Teegeld“. Hört sich das nicht viel besser an? Muss man denn immer gleich mit der Tür ins Haus fallen? Mehr oder weniger kleine Aufmerksamkeiten bei Behördengängen schmieren doch gleich das oft etwas träge Getriebe des Alltags. Das weiß doch jeder. Die Macht der Gewohnheit lässt sich nicht so schnell ausmerzen. Man gewöhnt sich an vieles: den freundlich lächelnden Polizisten, der behauptet, man sei zu schnell gefahren, an den sorgfältig arbeitenden Beamten, dem immer noch eine Fotokopie zur Bearbeitung der Unterlagen fehlt und die vagen Vertröstungen der Internetfirma, die den vollen Speed in absehbarer Zeit wieder zur Verfügung stellen will.
Soll man sich mit solchen Kleinigkeiten wirklich aufhalten? Gibt es nicht Wichtigeres zu tun? Dankenswerterweise hat sich dieses Seminar nun des Themas angenommen und wird viel Papier produzieren, nachdem es seine Kenntnisse ausgewertet hat. Die Resultate sollen allen Verwaltungen bekannt gemacht werden. Fraglich ist, ob sich da überhaupt jemand angesprochen fühlt. Vielleicht wissen die Betreffenden nicht einmal, wovon die Rede ist. Sie werden jeden Korruptionsverdacht empört zurückweisen, es gilt das Gesicht zu wahren. Bis zum nächsten Seminar.


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