8. Jahrgang
Ausgabe Nr.42

20. Oktober - 26. Oktober 2009
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Die Prügelknaben sind immer die Kleinen

Franz Schmid

Das Eisenbahnunglück am 5. Oktober in Hua Hin hat ein bezeichnendes Licht auf die Mentalität der Eisenbahnverwaltung und den Umgang mit ihren Angestellten und Kunden geworfen. Ein Zug, der auf dem Weg von Trang nach Bangkok war, entgleiste beim Bahnhof Khao Tao, als er auf ein anderes Gleis mit hoher Geschwindigkeit umgeleitet wurde, um einen Zusammenstoß mit einem Güterzug zu vermeiden. Es sind sieben Tote und 88 Verletzte zu beklagen.
Ein Untersuchungsausschuss hat in der letzten Woche auch gleich die Schuldigen festgemacht. Es sind der Zugführer, der Maschinist und ein Zugbegleiter. Die drei Angestellten wurden sogleich von der Arbeit freigestellt. Das Vergehen des Zugführers war – laut Untersuchungsbericht –, dass er während der Dienstzeit Medikamente zur Behandlung seines Bluthochdrucks eingenommen hatte. Der Maschinist hatte ein Radiosignal des Bahnhofs nicht gehört – allerdings hat er Hörprobleme. Der Zugbegleiter hat nicht auf die Signale auf der Strecke geachtet.
Der Zugführer soll entlassen werden, die beiden anderen Angestellten müssen mit einer Lohnkürzung rechnen.
Doch die Argumentation der Eisenbahnverwaltung überzeugt nicht. Wo bleibt deren Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere, der Eisenbahnzüge im Allgemeinen und die Fürsorge für die Angestellten? Der Zugführer und der Maschinist waren gesundheitlich nicht fit. Wieso wurden ihnen diese verantwortungsvollen Aufgaben übertragen?
Die Eisenbahnangestellten beklagen sich seit langem über außergewöhnlich lange Arbeitszeiten und geringe Entlohnung. Der besagte Zugführer beispielsweise hatte seit Wochen keinen freien Tag. Die Eisenbahnverwaltung hat hier aber ganz schnell Prügelknaben gefunden. Kein Wort über veraltete Gleisanlagen, mangelhaft gepflegte Lokomotiven und Waggons, und schon gar nicht eine Entschuldigung gegenüber den Opfern und deren Angehörigen. Es ist einfach nicht fair, die Schuld alleine auf das Personal des Unglückszugs zu schieben. Die eigenen Versäumnisse werden totgeschwiegen.
Sinkende Steuereinnahmen haben allerorts zu einer Vernachlässigung der Infrastruktur geführt. Wie es scheint, hat die Instandhaltung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Krankenhäusern, Elektroversorgungskabeln, Anlagen zur Wasserversorgung, Sanitäranlagen, Autobahnen und Brücken bei den zuständigen Stellen einen geringen Stellenwert. Darunter leidet die öffentliche Sicherheit.
Normalerweise haben Lokomotiven eine Sicherheitsfahrschaltung (Totmannknopf). Wenn der Zugführer während der Fahrt handlungsunfähig wird, sorgt diese Einrichtung dafür, dass eine Zwangsbremsung vollzogen wird. Ein Pedal oder ein Drucktaster müssen dauernd gedrückt werden bzw. in bestimmten Abständen losgelassen und erneut gedrückt werden. Das Prinzip kennt jeder, der einen elektrischen Rasenmäher hat. In diesem Falle scheint es diese Sicherheitsvorkehrung nicht gegeben zu haben oder sie war mangels Wartung nicht in Betrieb. Darüber kann nur spekuliert werden.
Die Eisenbahnverwaltung kann aber nicht darauf spekulieren, dass der Fall schnell in Vergessenheit gerät. Er hat in der Öffentlichkeit großes Augenmerk auf die Sicherheit des Eisenbahnverkehrs gelenkt. Mit Recht, denn hier geht es um ein Prinzip, von dem nicht mit Entlassung oder Gehaltskürzung abgelenkt werden kann.


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