Wissenschaft - Kultur - Gesundheit
8. Jahrgang
Ausgabe Nr.46

17. November - 23. November 2009
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Meditation mit offenen Augen – der visuelle Weg zur Entwicklung des inneren Sinns

 

Meditation mit offenen Augen – der visuelle Weg zur Entwicklung des inneren Sinns

Floco Tausin

Teil 1. Feine Gesichtszüge und graue Betonblöcke, monotoner Verkehrslärm und schallendes Gelächter, kratzender Zigarettenrauch und reizendes Parfüm, süße Baklava und scharfe Samosas, weiche Kissen und harte Bänke – was wir als unseren Alltag kennen, ist eine Flut von verschiedenartigen Informationen, die wir durch unsere fünf Sinne aufnehmen und im Gehirn zu einem ganzheitlichen Bild zusammensetzen. Die Sinnesorgane sind die Tore unseres Körpers, sie verbinden die Außenwelt mit der Innenwelt und bestimmen in Abhängigkeit von unserem Bewusstseinszustand, wie wir diese Welt wahrnehmen.
Kein Wunder, schenkten spirituell wache Menschen im Osten wie im Westen ihren Sinnen seit jeher eine große Aufmerksamkeit. Indische Philosophen etwa studierten sehr genau das Zusammenspiel von Sinnesorganen, Sinnesobjekten, Denken und Bewusstsein – und kamen darauf, dass eine ungezügelte Sinnestätigkeit auf dem Weg zur Selbst- bzw. Gotteserkennt­nis ein Hindernis darstellt. So heißt es in der Bha­gavadgita: „O Sohn der Kunti, die Sinne sind ungestüm und beherrschen den Geist sogar desjenigen Menschen, der um Unterscheidungsvermögen bemüht ist.“ Sinnesglück gilt als trügerisch, denn es sei „am Anfang wie Nektar und am Ende wie Gift. Dieses Glück wird ‚Leidenschaft‘ genannt.“

Das Allsehende Auge am Aachener Dom. (Photo: Wikipedia)
Heißt das nun, dass wir die Augen verschließen und die Ohren verstopfen sollten, wenn wir um ein spirituelles und bewussteres Leben bemüht sind? Natürlich nicht, vielmehr geht es darum, unsere Sinnestätigkeit auch für die Bewusstseinsentwicklung dienlich zu machen. Dazu haben uns die Weisen früherer Zeiten ein wunderbares Instrument zur Hand gegeben: die Meditation.
Die Meditation wird heute bei uns oft losgelöst von einer spezifischen Religion gelehrt, teilweise als therapeutisches Mittel gegen Stress, Anspannung, emotionale Probleme etc. Zweifellos wird das Praktizieren unsere Sinnestätigkeit stets von neuem beruhigen und einer Überreizung unserer Sinnesorgane, die uns unruhig und unzufrieden macht, entgegenwirken. Doch die Meditation geht über eine therapeutische Anwendung hinaus: Sie ist ein Mittel zum Zweck, eine Stufe, die zu mehr führen sollte: Der oder die Praktizierende versucht zu einer Erkenntnis der Welt und von sich selbst zu gelangen, die ungetrübt ist durch Gedanken und Gefühle.
Der innere Sinn
Wir können davon ausgehen, dass eine solche subtile Erkenntnis durch die Verbindung eines subtilen Sinnesorgans mit einem subtilen Sinnesobjekt zustande kommt. Diesen subtilen Sinn bezeichne ich in Anlehnung an meinen Lehrer, den im Schweizer Emmental lebenden Seher Nestor, als „inneren Sinn“. Nestor versteht diesen inneren Sinn nicht als sechsten Sinn, sondern als Zusammenfassung aller fünf Sinne. Der innere Sinn steht somit in unmittelbarer Beziehung zu den körperlichen Sinnen, welche durch diesen „verinnerlicht“ werden.

Die Beziehung zwischen Wahrnehmung, Seele und Zirbeldrüse nach René Descartes. (Photo: Heise)
Obwohl dieser innere Sinn keine offensichtliche physiologische Entsprechung hat, wird er von vielen Kulturen symbolisch in seinem visuellen Aspekt dargestellt, dem dritten Auge. In den östlichen Religionen symbolisiert das dritte Auge göttliche Weisheit und Befreiung; berühmt ist seine tantrische Entsprechung im zweiblättrigen Anja Chakra zwischen den Augen. Im Christentum kann das „einfältige“ oder „durchlässige“ Auge bei Mt. 6, 22 sowie das göttliche allsehende Auge in einem Dreieck als drittes Auge verstanden werden. Und selbst in der westlich-wissenschaftlichen Tradition gibt es Vorstellungen von einem inneren Auge, welches mehr wahrnehmen kann als die üblichen optischen Reize. Dieses wird mit bestimmten Hirnbereichen wie der Zirbeldrüse assoziiert.
Anmerkung des Autors:
Alle Bilder stammen aus Bilddatenbanken im Internet, aus wissenschaftlichen Publikationen oder aus meiner eigenen Sammlung. Sie unterstehen entweder einer Creative Commons-Lizenz, fallen auf­grund der Verjährung nicht mehr unter das Copyright oder werden im Sinne des Zitatrechts aus wissenschaftlichen Publikationen verwendet. Bei den Bildern aus meiner Sammlung besitze ich das Copyright bzw. habe die freundliche Genehmigung des Künstlers eingeholt.
(Auszüge aus dem Buch von Floco Tausin: Mouches Volantes. Die Leuchtstruktur des Bewusstseins, Bern (Leuchtstruktur Verlag, 2004). Fortsetzung in der nächsten Ausgabe.



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