8. Jahrgang
Ausgabe Nr.47

24. November - 30. November 2009
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Zu viel Müll – zu wenig Ideen

Franz Schmid

Wieder einmal hat sich ein hochkarätiges Gremium mit den Müll- und Abwasserproblemen Pattayas befasst. Diesmal hat sich sogar eine Professorin der Ramkhamhaeng Universität zu Wort gemeldet (siehe Seite 3). Viel Neues hatte sie nicht zu bieten. Weitere Untersuchungen seien notwendig, Geschäftsleute und Bürger sollten zu dem Problem befragt werden, usw.
Ein unschönes Bild bieten vor allem die sorglos in die Landschaft geworfenen Plastiktüten. Ein großer Teil landet in der Kanalisation, später im Meer und wird an den Stränden wieder angespült. Urlauber stehen manchmal fassungslos vor dem Dreck, und an Baden im Meer ist an manchen Tagen überhaupt nicht zu denken, dabei sollte der Strand doch eine der Hauptattraktionen in Pattaya sein.
Man braucht sicherlich kein langjähriges Studium, um festzustellen, was im Argen liegt. Man braucht nur mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. Es gibt sogar in der Innenstadt wilde Müllhalden, auf denen der Müll einfach abgefackelt wird. Das ist zwar gesetzlich verboten, aber wen schert es schon? Die Bußgelder dafür sind milde, und es ist lohnenswerter und nicht so arbeitsintensiv, Motorradfahrer wegen Nichttragens des Helms zur Kasse zu bitten.
Oft sieht man auch Straßenreiniger, die den Müll einfach in die Kanalisation kehren. Manche sind zwar mit einer kleinen Karre ausgerüstet, die aber meist nur dazu dient, Wertmüll wie Dosen und Flaschen abzutransportieren. Der Müll ist in solchen Fällen nicht entsorgt, man sieht ihn nur nicht mehr. Es wäre ein Leichtes, letztgenannte Verhaltensmuster abzustellen, wenn man wirklich wollte. Zum Beispiel könnte man durchsetzen, dass jeder Haushalt bzw. jedes Geschäft zu einer Müllabgabe herangezogen wird, unabhängig davon, ob wirklich Müll anfällt oder nicht. Die Straßenkehrer könnten besser ausgerüstet und ihre Arbeit besser beaufsichtigt werden.
Aber das Grundproblem liegt tiefer. Verpackungsmüll ist in Thailand ein Übel ersten Grades. Muss es wirklich sein, dass dem Kunden bei seinem Einkauf dieses und jenes in separate Plastiktüten eingepackt wird? Ein übles Beispiel ist das Abfüllen von Getränken in Plastiktüten, besonders in kleinen Läden. Diese Tüten landen mit Sicherheit auf der Straße. Wohin sonst, denn öffentliche Abfallbehälter sind rar gesät. Auf der North Pattaya Road gibt es nur einen, der steht vor dem Rathaus, wenn überhaupt. In anderen Gegenden sieht es nicht besser aus. Anscheinend säubert die Stadt lieber die Kanalisation, anstatt den Müll erst gar nicht dorthin kommen zu lassen.
Die Bekenntnisse zum Umweltschutz sind in Thailand leider nur Lippenbekenntnisse. Ein Umdenken ist im Umgang mit Müll bisher nicht erfolgt. In den westlichen Industriestaaten hat die Vermeidung von Verpackungsmüll einen hohen Stellenwert. Wer im Laden eine Plastiktüte haben will, muss dafür bezahlen. Getränke gibt es überwiegend nur in Pfandflaschen, in Dosen fast gar nicht mehr.
Daher ist das Müllproblem Pattayas auch ein Teil des Müllproblems Thailands und kann nur auf nationaler Ebene gelöst werden.


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