Franz Schmid
Winston Churchill
wird der schöne Satz zugeschrieben: „Ich glaube nur an Statistiken, die ich
selbst gefälscht habe“. Dieser Spruch kommt alljährlich in den Sinn, wenn die
Verantwortlichen für die Wasserversorgung in der Trockenzeit darlegen, wie es um
die Wasserversorgung der Stadt bestellt ist. Damit soll keineswegs gesagt werden,
diese Angaben sind frisiert, sie werden schon stimmen.
In der letzten
Ausgabe berichtete Pattaya Blatt über die letzten Verlautbarungen
zur Wassersituation unter der Überschrift „Pattaya hat genug Wasser“.
Demnach braucht sich niemand in Pattaya wegen eventueller
Wasserknappheit Sorgen zu machen. Die Auskünfte der Wasserversorger
in Gottes Ohr!
Wenn wirklich
genug Wasser da ist, wie kommt es dann, dass zu bestimmten Zeiten an
bestimmten Orten doch kein Tropfen aus dem Wasserhahn kommt? Hier
sind nicht höher gelegene Gebiete oder Randbezirke gemeint, nein,
gemeint ist die Innenstadt. Anwohner, Appartementhäuser und Hotels
beklagen unzureichende Wasseranlieferung durch die Stadt. Da dürfen
doch einige Fragen gestattet sein: Wieso sieht man allerorts
Tankwagen, die Wasser auf Bestellung an Privathaushalte und
Unternehmen liefern? Wo haben die eigentlich das Wasser her?
Beziehen sie es aus den Wasserreservoiren oder einfach nur aus der
Leitung? Warum fällt die Wasserversorgung stets zu bestimmten Zeiten
aus? Stellt die Stadt das Wasser kurzfristig für bestimmte
Stadtteile ab, um andere Stadtteile zu bedienen? Ist die Stadt in
der Lage, zu Spitzenzeiten des Wasserverbrauchs alle Konsumenten zu
bedienen? Zieht jemand aus Notsituationen bei der Wasserversorgung
finanzielle Vorteile?
Sicherlich
eine Menge Fragen, für die es sicherlich auch eine Menge Antworten
gibt. Aber ebenso gibt es seit Jahren vollmundige Versprechungen. So
hatte die Firma East Water im September 2006 verkündet, es werde in
den nächsten zehn Jahren keine Wasserknappheit im Pattaya geben.
Jedes Jahr werden die Medien mit Daten über die Wassermengen, die
angeblich bereitstehen, gefüttert. Da strotzt es nur so von
Millionen Kubikmetern, die vorrätig sind und bis zur nächsten
Regenzeit verbraucht werden können. Diese Zahlen helfen allerdings
demjenigen wenig, der frühmorgens duschen will und feststellt, dass
es damit wohl vorerst nichts werden wird.
Die
Verlautbarungen haben aber auch vielleicht etwas mit der
thailändischen Mentalität zu tun. Wenn in den Vormonaten verkündet
wurde, man habe alles im Griff, kann man schlecht zugeben, dass es
Probleme geben könnte. Auch hier gilt es, das Gesicht zu wahren.
Ehrlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit zahlt sich eigentlich immer
aus, man kann an Glaubwürdigkeit nur gewinnen. Warum gibt man nicht
zu, es könne zu Engpässen kommen?
Da ist es nur
ein schwacher Trost, wenn die Statistik stimmen mag, aber trotzdem
kein Wasser da ist.