9. Jahrgang
Ausgabe Nr.17

27. April - 3. Mai, 2010
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Die dunkle Seite von Songkran

Franz Schmid

Über dem diesjährigen thailändischen Neujahrsfestival Songkran lag leider ein dunkler Schatten. Aufgrund der innenpolitischen Auseinandersetzungen wurde die offizielle Feier der Stadtverwaltung in Bangkok abgesagt und damit entfielen auch die farbenprächtigen Umzüge, die jedes Jahr unzählige Touristen anlocken. Die Absage der Feier ist angesichts der 25 Todesopfer und der über 800 Verletzten nachzuvollziehen.

Wie jedes Jahr jedoch ist Songkran auch eine gefährliche Zeit. Die Behörden gaben in diesem Jahr die Anzahl der Verkehrstoten mit 373 Personen an, dazu kommen 3.803 Verletzte. Bei vielen Unfällen war Alkohol im Spiel. Die Zahlen sind gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Das ist auf den ersten Blick eine erfreuliche Meldung. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Aber auf jeden Fall steht fest, in diesem Jahr war Zurückhaltung bei den Feiernden zu spüren.

Leider hat sich über die Jahre ein regelrechter Songkran-Tourismus entwickelt, der auch diesmal wieder seine dunkle Seite zeigte. Es gibt vor allem westliche Touristen, die extra nach Thailand kommen, um sich hier auszutoben. Treffpunkte sind in der Regel Barbetriebe an Hauptstraßen in Touristenorten. Da geht es manchmal schon in der Frühe los.

In der Regel ist es dann ab dem frühen Nachmittag unmöglich, das Hotel oder Haus zu verlassen, ohne nass gespritzt, mit undefinierbarem Puder eingerieben oder mit zerkleinerten Eiswürfeln bombardiert zu werden. In Pattaya dauert dieser Zustand eine Woche lang an. In dieser Zeit kann man sich auf normale Weise nicht fortzubewegen. Will man unbeschadet sein Ziel erreichen, muss man in einem geschlossenen Auto fahren, wobei dann unter Umständen täglich eine Autowäsche fällig ist.

Die Lust am Feiern soll niemandem genommen werden, aber Auswüchse und Übertreibungen sind anzuprangern. Viele Gegenden Pattayas leiden unter Wassermangel. An Songkran war davon nichts zu spüren. Wie viel Tausende von Kubikmetern Wasser mögen wohl verschwendet worden sein, indem es letztlich auf die Straße gekippt wurde? An den Songkran-Tagen konnten sich die privaten Wasserlieferanten über mangelnden Umsatz schwerlich beklagen.

Wasser ist ein kostenbares Gut, aber kostbarer ist die menschliche Gesundheit. Leider ist es so, dass einfach auf alles gespritzt wird, was sich bewegt. Dazu gehören Motorradfahrer, die Sammeltaxen und Passanten. Denjenigen, die da in Hooligan-Manier Wasser, vielleicht noch vermischt mit Gips, auf ihre Mitmenschen spritzen, sind sich nicht bewusst, dass es außer „Songkran-Fans“ auch noch andere Leute gibt, die nicht das Privileg haben, den Großteil des Tages in Bars zu verbringen, sondern ihren alltäglichen Geschäften nachgehen müssen.

Unverständlich ist auch, dass in Pattaya geduldet wird, eine ganze Woche lang diesen Hully-Gully zu veranstalten. Dass eine derartig ausgedehnte Festivalperiode mehr Touristen anlocken würde, ist ein Trugschluss. Gerade der Ruf Pattayas zu Songkran schreckt eher ab, wie man jedes Jahr wieder in Internet-Foren lesen kann. Daraus sollte man lernen.


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