9. Jahrgang
Ausgabe Nr.18

4. Mai - 10. Mai, 2010
Zum Anfang
Nachrichten
Aus ganz Thailand
Der Briefkasten
Im Blitzlicht
Sport
Feuilleton
Bunt Gemischt
Was gibts Neues?
Fragen Sie Tante Frieda
Gedanken zur Woche
Reise - Wirtschaft
Cartoon
Probleme im Paradies
Kleinanzeigen
Abo
Wir über uns
Anzeigenpreise
Alte Ausgaben
Update jeden Dienstag von Saichon Paewsoongnern
 

Das Trauerspiel muss ein Ende haben

Franz Schmid

Ist Thailand inzwischen schon ein anderer Staat geworden? Was sich auf den Straßen Thailands in den letzten Wochen zugetragen hat, lässt nicht nur auswärtige Beobachter den Kopf schütteln.

Das größte Geschäfts- und Hotelviertel Bangkoks wird von Demonstranten besetzt, die ihre eigenen Regeln aufstellen, nach Belieben Passanten und Verkehrsteilnehmer durchsuchen und Sabotageakte begehen. Die Ordnungskräfte, gemeint ist in erster Linie die Polizei, schauen tatenlos zu. Es scheint, der Staat hat sein Gewaltmonopol schon lange abgegeben, der Mob gibt den Ton an. Mindestens 26 Personen mussten bisher bei Ausschreitungen ihr Leben lassen, über 1.000 wurden verletzt.

Das zeigt allzu deutlich die Führungsschwäche der Polizeiführung. Oder will sie vielleicht gar nicht reagieren? Will die Polizei vielleicht nicht auf der Verliererseite stehen, wenn sich die politischen Gegebenheiten ändern? Sie kann ja schlecht Leute verhaften, die vielleicht später einmal den Staat regieren. Diese Zögerlichkeit gibt Anlass, einmal darüber nachzudenken, in welche Strukturen die Polizei eingebunden ist oder glaubt, eingebunden zu sein.

Die Polizei ist in einigen Provinzen sogar so weit gegangen, die Rothemden über geplante Verschiebungen von Einheiten zu informieren. Die Demonstranten haben darauf reagiert und die entsprechenden Wagenkolonnen gestoppt. Es wird sogar berichtet, dass dabei Polizisten und Rothemden derart freundlich miteinander umgegangen sind, dass man schon fast von Verbrüderung sprechen kann. Einige Polizisten sind allerdings von Demonstranten erstmal bis auf Weiteres „verhaftet“ worden. Verkehrte Welt!

All das zeigt, dass der thailändische Staat in wichtigen Bereichen wie innerer Sicherheit nicht mehr funktionsfähig ist. Aber der Ruf nach Kriegsrecht durch die Gelbhemden mag für viele kein gangbarer Weg sein, aber die Idee findet immer mehr Anklang. Vor allem bei Bürgern, die der Willkür der Rothemden ausgesetzt wurden. Beispiel: eine Ärztin aus Udon Thani wurde mitten in der Nacht von Rothemden mit ihrem Auto angehalten und durchsucht. Grund: das Auto hatte ein Bangkoker Nummernschild.

Wenn das Trauerspiel ein Ende haben soll, muss gehandelt werden. So oder so, Thailand wird nicht mehr der Staat sein, wie wir ihn kennen. Er hat sich längst verändert. Gruppen unterschiedlichster Couleur haben bereits das Heft in die Hand genommen. Das sind einmal diejenigen, die man auf den Straßen sieht, und dann diejenigen, die sich bisher im Hintergrund gehalten haben. Anzunehmen ist, dass auch neue Staatskonzepte vorgestellt werden, die die bisherige Hackordnung in Frage stellen. Beispielsweise sind schon Forderungen laut geworden, die gesamte Polizei aufzulösen, da sie selbst bewiesen hat, dass sie mehr oder weniger überflüssig bei der Sicherung des inneren Friedens geworden ist.

Die Mehrheit der Menschen wünscht sich ein Ende des Trauerspiels. Es scheint jedoch, dass noch viele Akte folgen werden.


E-mail: redaktion@pattayablatt.com
Pattaya Mail Publishing Co., Ltd. 
370/7-8 Pattaya Second Road, Pattaya City, Chonburi 20150, Thailand 
Tel.66-38 411 240-1, 413 240-1, Fax:66-38 427 596

Copyright © 2002 Pattaya Mail. Alle Rechte vorbehalten
Alle Inhalte dienen der persönlichen Information. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.

Advertisement