9. Jahrgang
Ausgabe Nr.20

18. Mai - 24. Mai, 2010
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Mit gutem Beispiel vorangehen

Franz Schmid

Der Plastikmüll auf den Straßen der großen Städte Thailands nimmt immer mehr zu. Die Stadtverwaltungen kämpfen gegen die Plastikflut vergebens. Vor allem Plastiktüten sind ein großes Ärgernis und tragen zur Umweltverschmutzung allerorten erheblich bei.

Pressemeldungen zufolge will die Stadtverwaltung Bangkoks jetzt Wege finden, diesen Zustand zu ändern. Man muss dazu wissen, dass aufgrund von Schätzungen alleine in Bangkok täglich 600.000 Plastiktüten in Umlauf kommen. Die meisten werden nur einmal benutzt und landen dann im Müll. Der Stadt kostet dieser Spaß 600 Millionen Baht pro Jahr, um den Müll zu entsorgen.

Nun will man testen, inwieweit die Verbraucher willens sind, auf die Plastiktüten zu verzichten. Ein zwei Monate dauerndes Pilotprojekt findet zurzeit auf dem Chatuchak Wochenendmarkt statt. Wenn ein Kunde eine eigene Tasche mitbringt, bekommt er bei einem Einkauf von Waren im Wert von mindestens 100 Baht einen Preisnachlass von einem Baht. Hat er keine Tasche dabei, wird ihm pro Plastiktüte ein Baht berechnet. 5.000 Geschäfte auf dem Markt haben sich bisher bereit erklärt, bei der Aktion mitzumachen.

Das ist ein guter Ansatz, der Schule machen sollte. Das Verursacherprinzip wird hier angewandt: Der Kunde kann sich entscheiden, ob er etwas für den Umweltschutz tun will, oder er muss bezahlen, wenn er vermeidbaren Müll in Kauf nimmt.

Erfahrungen in westlichen Industrieländern haben gezeigt, dass Plastikmüll drastisch reduziert werden kann, wenn man Hersteller und Kunden zur Kasse bittet. Plas­tiktüten sind in Thailand so normal wie der Sonnenschein. Eigentlich war es schon lange an der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Es gibt nicht viele Leute, die daran denken, eine eigene Tasche mitzunehmen, wenn sie im Supermarkt einkaufen gehen. Leider gehören dazu auch Touristen, die in ihren Heimatländern eigentlich anderes gewohnt sind. Warum tun sie es hier nicht? Gerade dieser Personenkreis könnte mit gutem Beispiel vorangehen.

Ein Umdenken scheint also nur möglich zu sein, wenn der Geldbeutel strapaziert wird. Was zum Beispiel würde geschehen, wenn die Kaufhäuser für eine Plastiktüte fünf Baht verlangen, gleichzeitig an der Kasse aber Stofftaschen für 30 Baht anbieten? Den Marktgesetzen gemäß wird sich der Löwenanteil der Kunden für die Stofftasche entscheiden, da sie -zigmal benutzt werden kann und außerdem pflegeleicht ist. Die Plastikmüllflut wäre binnen kurzer Zeit gestoppt.

Das Pilotprojekt in Bangkok wird für das Land wegweisend sein. Der Gesetzgeber wird aus den Ergebnissen des Projekts seine Schlüsse ziehen und handeln müssen. Die Einführung von zu bezahlenden Plastiktüten wäre ein großer Fortschritt für das Umweltbewusstsein, das gerade in diesem Lande nicht sehr ausgeprägt ist. Dem Projekt ist aller Erfolg zu wünschen!


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