9. Jahrgang
Ausgabe Nr.27

6. Juli - 12. Juli , 2010
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Misslungene Regulierungswut

Franz Schmid

Die Fußball-Weltmeisterschaft wird von einigen Spöttern auch als das größte Spielcasino der Welt angesehen. Richtig dabei ist, dass innerhalb dieses Zeitraums Wettbüros in Ländern, die Sportwetten legalisiert haben, enorme Umsätze erzielt werden. Es ist das Geschäft des Jahres.

In Thailand gibt es dieses Ventil, der Spielsucht zu frönen, nicht. Daher ist eine Schattenwirtschaft im Untergrund entstanden, die gewisse Leute reich macht und andere (manchmal) in finanzielles Chaos stürzt. Der thailändische Staat ist sich der Spielfreude seiner Bürger bewusst. Um diese zu „bekämpfen“, sind alle Wetten außer in der staatlichen Lotterie verboten. Ziemlich einfallslos.

Bisher sind schon etliche „Wettbüros“ in Thailand, besonders in den großen Städten, ausgehoben worden. Doch wo eines geschlossen wird, wird schon bald ein anderes irgendwo aufgemacht. Es ist wie der Wettlauf des Igels mit dem Hasen. Die Anzahl solcher illegaler Geschäfte ist schwer zu schätzen, die Umsätze noch weniger. Es dürften mehrere Milliarden Baht sein. Eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr auf illegale Wetten wirkt nicht abschreckend. Die Chance, erwischt zu werden, ist gering.

Die Erfolge der Polizei sind das auch. Als vor kurzem in Bangkok 259 Personen wegen illegaler Fußball-Wetten festgenommen wurden, wurden von der Polizei sage und schreibe 83.230 Baht beschlagnahmt. Wahrhaft ein großer Fang! Im Verhältnis ähnlich kleine Beträge wurden auch in Pattaya beschlagnahmt. Warum der Polizei bisher kein größerer Fang ins Netz ging, liegt wohl daran, dass sie bessere Erfahrungen in der Kontrolle von Motorrädern (Helmpflicht) und dem Fangen von Schlangen, die sich in Häusern versteckt haben, hat.

Wetten im Internet ist für Thais ebenfalls verboten, daher hat die Regierung mehrere hundert nationale und internationale Webseiten blockieren lassen, die solche Wetten anbieten. Die Tele­fongesellschaft TOT überwacht auch Telefonanschlüsse, die über den üblichen Rahmen hinaus bei der Fußball-WM frequentiert werden. Was wird vermutet? Richtig, diese Anschlüsse könnten ja für illegale Wetten benutzt werden! George Orwell lässt grüßen!

Der Staat demonstriert hier reinen Aktionismus, der weder den geschädigten Spielern – manche Wettveranstalter machen sich einfach mit dem Geld ihrer Kunden aus dem Staub – noch ihm selbst nützt. Wetten und Spielen gehören anscheinend zur menschlichen Natur, nicht nur in Thailand. Staaten, die dies erkannt haben, haben Wetten legalisiert, unter staatlicher Kontrolle natürlich. Die Vorteile liegen auf der Hand. Neben Steuermehreinnahmen wird das Wetten auch entkriminalisiert, und eine Schattenwirtschaft wird zerschlagen. Ein Spielverbot aus ethischen oder religiösen Gründen ist scheinheilig, die staatliche Regulierungswut ist hier fehl am Platz und muss misslingen.


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