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Fußball-Deutschland bebt –
4:0-Sieg über Maradonas Argentinier
Guido Roth
Schon im
Vorfeld sorgte dieser Klassiker wie erwartet für viel Wirbel. In
ganz Deutschland waren die Fan-Meilen proppenvoll, allein in Berlin
kamen 350.000 Fans zum Public Viewing zusammen. Schon sechs Mal
standen sich Deutschland und Argentinien im Rahmen einer WM
gegenüber, zwei Mal davon im Finale (1986 und 1990).
In Südafrika
kam es schon im Viertelfinale zu diesem Duell, bei welchem Klose ein
Jubiläum feiern durfte. Es war sein 100. Länderspiel!
Löw bot
dieselbe Mannschaft auf wie gegen England. Nur Ersatzstürmer Cacau
war nicht einsatzbereit, er laboriert weiterhin an einer
hartnäckigen Bauchmuskelzerrung.
In Kapstadt
legte die deutsche Mannschaft unter den Augen von Bundeskanzlerin
Angela Merkel furios los und ging schon nach drei Minuten durch
Müller in Führung. Schweinsteiger brachte eine Freistoß-Flanke
scharf nach innen, Müller startete zum goldrichtigen Zeitpunkt,
entkam so seinem Gegenspieler und konnte zum 1:0 einköpfen. Es war
bereits das vierte WM-Tor des erst 20-jährigen Münchners. Danach war
Argentinien sichtlich geschockt, war minutenlang von der Rolle und
fand kaum noch ins Spiel.
In der 24.
Minute spielte Müller herrlich Klose an, doch dieser donnerte den
Ball völlig frei stehend über Argentiniens Kasten. Nur zehn Minuten
später wurde Müller wegen Handspiel mit Gelb bedacht und muss nun,
da es schon die zweite Gelbe Karte im Turnier war, im Halbfinale
aussetzen. Sogar die ausländischen Reporter fanden, dass diese
Bestrafung etwas zu stark war.
Kurz vor der
Pause hatten dann die Fans der „Albiceleste“ (Die Weiß-Himmelblauen)
den Torschrei auf den Lippen, doch bei Messis Tor standen gleich
vier Argentinier im Abseits.
In der zweiten
Hälfte drehte Deutschland erst richtig auf. „Poldi“ bekam links den
Ball und passte präzise in die Mitte, wo Klose zum viel umjubelten
2:0 nur noch einschieben brauchte.
Mittlerweile
war die Maradona-Elf völlig frustriert und glaubte auch nicht mehr
an eine Wende. Messi war bei Schweinsteiger total abgemeldet.
Überhaupt war „Schweini“ der überragende Mann auf dem Feld, der
nicht nur Messi hervorragend beschattete, sondern auch immer wieder
nach vorne Akzente setzte und für Gefahr sorgte, wie auch beim 3:0.
Der Münchner
setzte sich gegen drei Argentinier blendend durch, hatte danach noch
das Auge für seine Mitspieler und legte Friedrich den Ball wunderbar
auf, so dass der Berliner nur noch den Fuß hinhalten musste. Es war
übrigens Friedrichs erstes Tor nach 77 Länderspielen. Danach
wechselte Löw noch munter durch. Jansen für Boateng, Kroos für
Khedira sowie Trochowski für Müller durften in diesem historischen
Spiel WM-Luft schnuppern.
Zum Spielende
hin wurde es eine Demontage für Argentinien. Deutschland spielte mit
dem zweifachen Weltmeister in der Schlussphase Katz und Maus und kam
in der 89. Minute gar noch zum 4:0 durch Klose. Somit war der
höchste Sieg über Argentinien aller Zeiten perfekt.
Klose erzielte
gegen die „Gauchos“ zwei herrliche Tore und kommt nun bei seiner
dritten WM auf insgesamt 14 Tore. Er hat somit die brasilianische
Fußballlegende Pele überholt und mit Gerd Müller gleichgezogen. Nur
noch Brasiliens Ronaldo mit 15 WM-Toren liegt vor „Miro“.
Afrika weint – Ghana scheitert beim Elfmeterschießen
Guido Roth
Im zweiten
Viertelfinale zwischen Uruguay und Afrikas letztem Vertreter Ghana
wurde der Halbfinal-Gegner der Niederlande ermittelt.
Ghana stellte
mit einem Durchschnitt von knapp über 24 Jahren das jüngste Team
aller WM-Teilnehmer.
Schon nach 18
Minuten konnte sich Ghana bei seinem Torwart Kingson bedanken, der
mit einem fantastischen Reflex Uruguays Führung verhinderte.
Nach einer
halben Stunde strich dann ein Kopfball von Ghanas Vorsah, in
Hoffenheim unter Vertrag, nur hauchdünn über die Latte, und auch
Gyans Schuss zwei Minuten später verpasste nur um Millimeter sein
Ziel. Kurz vor der Pause hatte dann Kevin-Prince Boateng die Führung
für Ghana auf dem Fuß, doch sein spektakulärer Fallrückzieher
rauschte am Kasten vorbei. Alle schienen gedanklich schon in der
Halbzeitpause zu sein, als in der zweiten Minute der Nachspielzeit
Ghanas Muntari, Inter Mailand, aus über 30 Metern abzog und den Ball
in Uruguays Kasten versenkte.
In der zweiten
Hälfte waren gerade einmal zehn Minuten gespielt, als Uruguays
Super-Star Forlan zu einem Freistoß antrat und den Ball zum
1:1-Ausgleich in die Maschen setzte. Danach kam es in der regulären
Spielzeit kaum noch zu Torgelegenheiten, weshalb es beim 1:1 blieb
und eine Verlängerung die Entscheidung bringen sollte.
Auch in der
Verlängerung geschah lange gar nichts. Erst in der 120. Minute,
Sekunden vor dem Abpfiff, wurde es hochdramatisch. Ghana drängte auf
die Führung, schoss mehrfach aufs Tor der „Urus“, wobei der Ball
mehrmals von der Linie geschlagen wurde. Beim letzten Versuch
allerdings nahm Suarez die Hand zu Hilfe, sah Rot, und Ghana bekam
den fälligen Elfmeter zugesprochen. Gyan, schon zwei Elfer bei
dieser WM sicher verwandelt, trat an - und traf nur die Latte.
Danach kam es
zum Elfmeterschießen. Uruguay hatte die besseren Nerven und siegte
mit 4:2. Ausgerechnet die beiden erfahrendsten Spieler, Mensah und
Appiah, verschossen für Ghana. Somit wartet immer noch ein
afrikanisches Team auf den Einzug in ein WM-Halbfinale. 1990
scheiterte Kamerun gegen England und 2002 Senegal gegen die Türkei.
Für Uruguay,
das seit 40 Jahren wieder ein WM-Viertelfinale erreicht hatte, war
der Erfolg über Ghana der vierte Turniersieg in Folge, was Uruguay
bisher nur bei seinem ersten Titelgewinn 1930 gelang.
Paraguay fordert bei
Spaniens 1:0-Sieg dem
Europameister alles ab
Guido Roth
Mit dem ersten Einzug in ein WM-Viertelfinale hatte
Paraguay schon den größten Erfolg in der WM-Geschichte
des südamerikanischen Landes feiern dürfen. Doch es wäre
viel mehr drin gewesen für den Außenseiter im Spiel
gegen die favorisierten Spanier.
Paraguay hielt in Johannesburg im Ellis-Park
hervorragend mit und bestritt sein bestes WM-Spiel in
Südafrika. Paraguay trat nicht wie erwartet mit einer
Defensiv-Taktik an, sondern spielte frech nach vorne und
wäre kurz vor der Halbzeit beinahe in Führung gegangen.
Doch das Tor des Dortmunder Nelson Valdez wurde wegen
Abseits nicht anerkannt, obwohl nicht er, sondern
Mitspieler Cardozo sich im Abseits befand. Über die
Entscheidung wurde lange diskutiert, und selbst
Fachleute sind sich bis heute noch nicht einig, ob das
passive Abseits von Cardozo zu pfeifen oder das Tor von
Valdez zu geben gewesen wäre. Glück für die Spanier – es
wurde nicht gegeben.
Nach einer Stunde Spielzeit kam es dann zu
hochdramatischen zwei Minuten, als Pique Paraguays
Cardozo im Strafraum mit beiden Händen niederriss und
sich zurecht einen Strafstoß einhandelte. Der Gefoulte
trat selbst an und Spaniens Keeper Casillas parierte. Im
direkten Gegenzug wurde dann Spaniens Villa im Strafraum
umgelegt, und wieder gab es einen Elfmeter. Alonso von
Real Madrid verwandelte zunächst sicher, doch das Tor
wurde nicht gegeben, da beim Schuss von Alonso zwei
weitere Spanier in den Strafraum liefen. Der Elfer wurde
wiederholt, doch diesmal hatte Alonso nicht mehr die
Nerven und scheiterte an Paraguays Torwart Villar.
Dieser ließ jedoch bei seiner Parade den Ball nach vorne
prallen und mähte anschließend einen heranstürmenden
Fabregas um, so dass es wiederum Elfmeter hätte geben
müssen. Doch dies traute sich anscheinend der
Unparteiische aus Guatemala nicht und ließ weiterlaufen.
Es wäre die vierte Elfmeter innerhalb von zwei Minuten
gewesen.
In
der 83. Minute ereignete sich dann die
spielentscheidende und äußerst kuriose Szene: Spaniens
Pedro zieht aus etwa 20 Metern ab und drischt den Ball
gegen den Pfosten, von wo er wieder zurückprallt und zu
Villa kommt. Dieser zieht den Ball sofort wieder in
Richtung Tor und trifft wiederum nur den rechten Pfosten.
Von dort aus springt das Leder quer über die Torlinie
und knallt gegen den linken Pfosten, und dann erst ins
Tor.
Danach ließ sich Spanien nicht mehr beirren, brachte den
hart erkämpften sowie knappen Sieg über die Zeit und
steht erstmals in einem WM-Halbfinale. Dort wartet
Deutschland, das nach dem phänomenalen Sieg über
Argentinien nun in der Favoritenrolle ist.
Niederlande stürzt
Favorit Brasilien
Guido Roth
Im
ersten Viertelfinale dieser WM mussten beide Teams
jeweils auf einen Stammspieler verzichten. Hamburgs
Mathijsen in Reihen der Niederländer verletzte sich beim
Aufwärmen und konnte nicht auflaufen. Bei Brasilien
fehlte Elano, ebenfalls verletzungsbedingt.
Der fünffache Weltmeister übernahm gleich zu Beginn das
Kommando und ging auch schon nach zehn Minuten in
Führung. Felipe Melo, der später noch zur tragischen
Figur Brasiliens werden sollte, spielte von der
Mittellinie aus einen „Zuckerpass“ auf Robinho, der
trocken zum 1:0 abschloss.
Die Südamerikaner versäumten es in der Folgezeit auf 2:0
zu erhöhen. Insbesondere Kaka hatte nach 30 Minuten die
Gelegenheit, brachte den Ball auch herrlich aufs Tor,
doch der niederländische Keeper Stekelenburg fischte das
Leder mit einer perfekten Glanzparade aus dem Winkel.
In
der zweiten Halbzeit wurde dann die Niederlande etwas
stärker, und in der 53. Minuten fiel der Ausgleich
praktisch aus dem Nichts. Champions-League-Sieger
Sneijder von Inter Mailand trat von halb rechts eine
Freistoß-Flanke nach innen, fand aber keinen
niederländischen Stürmer. Brasiliens Melo und sein
Torwart standen sich gegenseitig im Weg, und Melo
erwischte den Ball auch noch minimal mit dem Kopf, was
aber reichte, um ihn ins eigene Tor abzulenken.
Danach reagierten die brasilianischen Ballzauberer
verunsichert, und die Niederlande drängte auf die
Führung. In der 68. Minute kam nach einem Eckball
ausgerechnet Sneijder, mit 1,70 Meter einer der
kleinsten Spieler auf dem Feld, frei zum Kopfball und
versenkte das Leder in den Maschen.
Danach wurde die Gangart rauer. In der 73. Minute war
der frustrierte Melo nicht mehr Herr seiner Nerven und
versetzte dem am Boden liegenden Robben einen üblen
Tritt, wonach ihn der Schiedsrichter mit Rot völlig
zurecht des Feldes verwies.
Brasilien konnte in der Schluss-Viertelstunde nicht mehr
zulegen und ergab sich seinem Schicksal, ohne dass ein
Aufbäumen zu erkennen war. Der Top-Favorit dieser WM
stürzte mit einer 1:2-Niederlage und mit ihm vermutlich
auch sein in Brasilien so ungeliebter Trainer Dunga.
Es
war das erste Mal in der WM-Geschichte, dass Brasilien
nach einer 1:0-Führung am Ende noch als Verlierer vom
Platz ging.
Die Niederländer dagegen blieben zum 24. Mal in Folge
ungeschlagen und träumen jetzt natürlich von ihrem
ersten WM-Titel.
Rafael Nadal und Serena Williams triumphieren in Wimbledon
Mahut und Isner schreiben Tennis-Geschichte
Guido Roth
Schon in der ersten
Runde des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt schrieben der Franzose
Mahut und der US-Amerikaner Isner Tennis-Geschichte. Ihr Match wurde zwei
Mal wegen Dunkelheit abgebrochen, ging über drei Tage und dauerte elf
Stunden und fünf Minuten, wobei die beiden Spieler insgesamt 215 Asse
schlugen. Isner gewann das längste Tennis-Match aller Zeiten mit 6:4, 3:6,
6:7, 7:6 und 70:68 – ein Rekord für die Ewigkeit!
Nach diesem Spiel war
Isner völlig ausgelaugt und unterlag in der zweiten Runde dem Niederländer
de Bakker klar in drei Sätzen mit 0:6, 3:6 und 2:6.
Titelverteidiger Roger
Federer kam nur schwer in Form und hatte in seinem Erstrunden-Match gegen
den Kolumbianer Falla alle Hände voll zu tun, um einen 0:2-Satzrückstand
noch in einen 3:2-Sieg umzumünzen. Doch im Viertelfinale war dann für den
Schweizer Schluss. Roger unterlag dem Tschechen Berdych in 1:3 Sätzen und
stand nach sieben Jahren zum ersten Mal nicht im Wimbledon-Endspiel.
Dies erreichte jedoch
Berdych und traf dort Nadal, dem er hoffnungslos unterlegen war. Es war
sogar ein Klassenunterschied zu erkennen, so deutlich dominierte der Spanier
das Spiel. Fast mühelos siegte Nadal in drei Sätzen mit 6:3, 7:5 und 6:4.
Nach fünf Jahren wurde erstmals wieder ein Wimbledon-Finale mit 3:0 Sätzen
gewonnen. Dies gelang letztmals 2005 Roger Federer gegen Andy Roddick.
Im Damenturnier kam es
in der ersten Runde zu großen Überraschungen, als die beiden Finalstinnen
der French Open, Schiavone und Stosur, scheiterten. Die French-Open-Siegerin
Schiavone aus Italien unterlag der Russin Dushevina mit 7:6, 5:7, und 1:6.
Stosur verlor gegen die Estin Kanepi klar in zwei Sätzen mit 4:6 und 4:6.
Auch Thailands „Tammy“
Tanasugarn, letztes Jahr noch im Viertelfinale, musste schon in der ersten
Runde die Segel streichen. Sie unterlag der Japanerin Morita.
Beste Deutsche war
Angelique Kerber, die in der ersten Runde Indiens Nummer eins, Mirza, und in
der zweiten Runde Israels Nummer eins, Peer, ausschaltete. In der dritten
Runde war dann aber gegen die Australierin Groth Endstation.
Im Viertelfinale
sorgte die Bulgarin Pironkova für eine kleine Sensation nach ihrem 6:3- und
6:2-Sieg über Venus Williams. Sie zog damit als erste Bulgarin in das
Halbfinale eines Grand-Slam-Turnieres ein. Dort unterlag sie aber der
zweifachen Pattaya-Open-Siegerin Zvonareva aus Russland mit 6:3, 3:6 und
2:6.
Zvonareva erreichte
zum ersten Mal in ihrer Karriere ein Finale bei einem Grand-Slam-Turnier,
war da aber gegen Titelverteidigerin Serena Williams chancenlos. Sie
unterlag der Amerikanerin deutlich mit 3:6 und 2:6. Serena verteidigte in
Wimbledon souverän ihren Titel, ohne auch nur einen Satz im gesamten
Turnierverlauf abzugeben. Für Serena ihr erstes Wimbledon-Finale, das sie
nicht gegen ihre ältere Schwester Venus bestritt.
Höchst erfreuliche
Nachrichten gab es für die deutschen und österreichischen Tennis-Fans beim
Herren-Doppel. Die Außenseiter Philipp Petzschner und sein österreichischer
Doppel-Partner Jürgen Melzer erreichten nicht nur das Finale, sondern
schlugen dort auch das schwedisch-rumänische Doppel Robert Lindstedt und
Horia Tecau klar in drei Sätzen mit 6:1, 7:5 und 7:5. Petzschner ist erst
der zweite Deutsche, dem ein Wimbledon-Sieg im Herren-Doppel gelang. Dieses
Kunststück brachte bisher nur Michael Stich 1992 mit der amerikanischen
Tennis-Legende John McEnroe fertig.
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