9. Jahrgang
Ausgabe Nr.27

6. Juli - 12. Juli , 2010
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Fußball-Deutschland bebt – 4:0-Sieg über Maradonas Argentinier

Afrika weint – Ghana scheitert beim Elfmeterschießen

Paraguay fordert bei Spaniens 1:0-Sieg dem Europameister alles ab

Niederlande stürzt Favorit Brasilien

Rafael Nadal und Serena Williams triumphieren in Wimbledon

 

Fußball-Deutschland bebt – 4:0-Sieg über Maradonas Argentinier

Guido Roth

Schon im Vorfeld sorgte dieser Klassiker wie erwartet für viel Wirbel. In ganz Deutschland waren die Fan-Meilen proppenvoll, allein in Berlin kamen 350.000 Fans zum Public Viewing zusammen. Schon sechs Mal standen sich Deutschland und Argentinien im Rahmen einer WM gegenüber, zwei Mal davon im Finale (1986 und 1990).

In Südafrika kam es schon im Viertelfinale zu diesem Duell, bei welchem Klose ein Jubiläum feiern durfte. Es war sein 100. Länderspiel!

Löw bot dieselbe Mannschaft auf wie gegen England. Nur Ersatzstürmer Cacau war nicht einsatzbereit, er laboriert weiterhin an einer hartnäckigen Bauchmuskelzerrung.

In Kapstadt legte die deutsche Mannschaft unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel furios los und ging schon nach drei Minuten durch Müller in Führung. Schweinsteiger brachte eine Freistoß-Flanke scharf nach innen, Müller startete zum goldrichtigen Zeitpunkt, entkam so seinem Gegenspieler und konnte zum 1:0 einköpfen. Es war bereits das vierte WM-Tor des erst 20-jährigen Münchners. Danach war Argentinien sichtlich geschockt, war minutenlang von der Rolle und fand kaum noch ins Spiel.

In der 24. Minute spielte Müller herrlich Klose an, doch dieser donnerte den Ball völlig frei stehend über Argentiniens Kasten. Nur zehn Minuten später wurde Müller wegen Handspiel mit Gelb bedacht und muss nun, da es schon die zweite Gelbe Karte im Turnier war, im Halbfinale aussetzen. Sogar die ausländischen Reporter fanden, dass diese Bestrafung etwas zu stark war.

Kurz vor der Pause hatten dann die Fans der „Albiceleste“ (Die Weiß-Himmelblauen) den Torschrei auf den Lippen, doch bei Messis Tor standen gleich vier Argentinier im Abseits.

In der zweiten Hälfte drehte Deutschland erst richtig auf. „Poldi“ bekam links den Ball und passte präzise in die Mitte, wo Klose zum viel umjubelten 2:0 nur noch einschieben brauchte.

Mittlerweile war die Maradona-Elf völlig frustriert und glaubte auch nicht mehr an eine Wende. Messi war bei Schweinsteiger total abgemeldet. Überhaupt war „Schweini“ der überragende Mann auf dem Feld, der nicht nur Messi hervorragend beschattete, sondern auch immer wieder nach vorne Akzente setzte und für Gefahr sorgte, wie auch beim 3:0.

Der Münchner setzte sich gegen drei Argentinier blendend durch, hatte danach noch das Auge für seine Mitspieler und legte Friedrich den Ball wunderbar auf, so dass der Berliner nur noch den Fuß hinhalten musste. Es war übrigens Friedrichs erstes Tor nach 77 Länderspielen. Danach wechselte Löw noch munter durch. Jansen für Boateng, Kroos für Khedira sowie Trochowski für Müller durften in diesem historischen Spiel WM-Luft schnuppern.

Zum Spielende hin wurde es eine Demontage für Argentinien. Deutschland spielte mit dem zweifachen Weltmeister in der Schlussphase Katz und Maus und kam in der 89. Minute gar noch zum 4:0 durch Klose. Somit war der höchste Sieg über Argentinien aller Zeiten perfekt.

Klose erzielte gegen die „Gauchos“ zwei herrliche Tore und kommt nun bei seiner dritten WM auf insgesamt 14 Tore. Er hat somit die brasilianische Fußball­legende Pele überholt und mit Gerd Müller gleichgezogen. Nur noch Brasiliens Ronaldo mit 15 WM-Toren liegt vor „Miro“.


Afrika weint – Ghana scheitert beim Elfmeterschießen

Guido Roth

Im zweiten Viertelfinale zwischen Uruguay und Afrikas letztem Vertreter Ghana wurde der Halbfinal-Gegner der Niederlande ermittelt.

Ghana stellte mit einem Durchschnitt von knapp über 24 Jahren das jüngste Team aller WM-Teilnehmer.

Schon nach 18 Minuten konnte sich Ghana bei seinem Torwart Kingson bedanken, der mit einem fantastischen Reflex Uruguays Führung verhinderte.

Nach einer halben Stunde strich dann ein Kopfball von Ghanas Vorsah, in Hoffenheim unter Vertrag, nur hauchdünn über die Latte, und auch Gyans Schuss zwei Minuten später verpasste nur um Millimeter sein Ziel. Kurz vor der Pause hatte dann Kevin-Prince Boateng die Führung für Ghana auf dem Fuß, doch sein spektakulärer Fallrückzieher rauschte am Kasten vorbei. Alle schienen gedanklich schon in der Halbzeitpause zu sein, als in der zweiten Minute der Nachspielzeit Ghanas Muntari, Inter Mailand, aus über 30 Metern abzog und den Ball in Uruguays Kasten versenkte.

In der zweiten Hälfte waren gerade einmal zehn Minuten gespielt, als Uruguays Super-Star Forlan zu einem Freistoß antrat und den Ball zum 1:1-Ausgleich in die Maschen setzte. Danach kam es in der regulären Spielzeit kaum noch zu Torgelegenheiten, weshalb es beim 1:1 blieb und eine Verlängerung die Entscheidung bringen sollte.

Auch in der Verlängerung geschah lange gar nichts. Erst in der 120. Minute, Sekunden vor dem Abpfiff, wurde es hochdramatisch. Ghana drängte auf die Führung, schoss mehrfach aufs Tor der „Urus“, wobei der Ball mehrmals von der Linie geschlagen wurde. Beim letzten Versuch allerdings nahm Suarez die Hand zu Hilfe, sah Rot, und Ghana bekam den fälligen Elfmeter zugesprochen. Gyan, schon zwei Elfer bei dieser WM sicher verwandelt, trat an - und traf nur die Latte.

Danach kam es zum Elfmeterschießen. Uruguay hatte die besseren Nerven und siegte mit 4:2. Ausgerechnet die beiden erfahrendsten Spieler, Mensah und Appiah, verschossen für Ghana. Somit wartet immer noch ein afrikanisches Team auf den Einzug in ein WM-Halbfinale. 1990 scheiterte Kamerun gegen England und 2002 Senegal gegen die Türkei.

Für Uruguay, das seit 40 Jahren wieder ein WM-Viertelfinale erreicht hatte, war der Erfolg über Ghana der vierte Turniersieg in Folge, was Uruguay bisher nur bei seinem ersten Titelgewinn 1930 gelang.


Paraguay fordert bei Spaniens 1:0-Sieg dem Europameister alles ab

Guido Roth

Mit dem ersten Einzug in ein WM-Viertelfinale hatte Paraguay schon den größten Erfolg in der WM-Geschichte des südamerikanischen Landes feiern dürfen. Doch es wäre viel mehr drin gewesen für den Außenseiter im Spiel gegen die favorisierten Spanier.

Paraguay hielt in Johannesburg im Ellis-Park hervorragend mit und bestritt sein bestes WM-Spiel in Südafrika. Paraguay trat nicht wie erwartet mit einer Defensiv-Taktik an, sondern spielte frech nach vorne und wäre kurz vor der Halbzeit beinahe in Führung gegangen. Doch das Tor des Dortmunder Nelson Valdez wurde wegen Abseits nicht anerkannt, obwohl nicht er, sondern Mitspieler Cardozo sich im Abseits befand. Über die Entscheidung wurde lange diskutiert, und selbst Fachleute sind sich bis heute noch nicht einig, ob das passive Abseits von Cardozo zu pfeifen oder das Tor von Valdez zu geben gewesen wäre. Glück für die Spanier – es wurde nicht gegeben.

Nach einer Stunde Spielzeit kam es dann zu hochdramatischen zwei Minuten, als Pique Paraguays Cardozo im Strafraum mit beiden Händen niederriss und sich zurecht einen Strafstoß einhandelte. Der Gefoulte trat selbst an und Spaniens Keeper Casillas parierte. Im direkten Gegenzug wurde dann Spaniens Villa im Strafraum umgelegt, und wieder gab es einen Elfmeter. Alonso von Real Madrid verwandelte zunächst sicher, doch das Tor wurde nicht gegeben, da beim Schuss von Alonso zwei weitere Spanier in den Strafraum liefen. Der Elfer wurde wiederholt, doch diesmal hatte Alonso nicht mehr die Nerven und scheiterte an Paraguays Torwart Villar.

Dieser ließ jedoch bei seiner Parade den Ball nach vorne prallen und mähte anschließend einen heranstürmenden Fabregas um, so dass es wiederum Elfmeter hätte geben müssen. Doch dies traute sich anscheinend der Unparteiische aus Guatemala nicht und ließ weiterlaufen. Es wäre die vierte Elfmeter innerhalb von zwei Minuten gewesen.

In der 83. Minute ereignete sich dann die spielentschei­dende und äußerst kuriose Szene: Spaniens Pedro zieht aus etwa 20 Metern ab und drischt den Ball gegen den Pfosten, von wo er wieder zurückprallt und zu Villa kommt. Dieser zieht den Ball sofort wieder in Richtung Tor und trifft wiederum nur den rechten Pfosten. Von dort aus springt das Leder quer über die Torlinie und knallt gegen den linken Pfosten, und dann erst ins Tor.

Danach ließ sich Spanien nicht mehr beirren, brachte den hart erkämpften sowie knappen Sieg über die Zeit und steht erstmals in einem WM-Halbfinale. Dort wartet Deutschland, das nach dem phänomenalen Sieg über Argentinien nun in der Favoritenrolle ist.


Niederlande stürzt Favorit Brasilien

Guido Roth

Im ersten Viertelfinale dieser WM mussten beide Teams jeweils auf einen Stammspieler verzichten. Hamburgs Mathijsen in Reihen der Niederländer verletzte sich beim Aufwärmen und konnte nicht auflaufen. Bei Brasilien fehlte Elano, ebenfalls verletzungsbedingt.

Der fünffache Weltmeister übernahm gleich zu Beginn das Kommando und ging auch schon nach zehn Minuten in Führung. Felipe Melo, der später noch zur tragischen Figur Brasiliens werden sollte, spielte von der Mittellinie aus einen „Zuckerpass“ auf Robinho, der trocken zum 1:0 abschloss.

Die Südamerikaner versäumten es in der Folgezeit auf 2:0 zu erhöhen. Insbesondere Kaka hatte nach 30 Minuten die Gelegenheit, brachte den Ball auch herrlich aufs Tor, doch der niederländische Keeper Stekelenburg fischte das Leder mit einer perfekten Glanzparade aus dem Winkel.

In der zweiten Halbzeit wurde dann die Niederlande etwas stärker, und in der 53. Minuten fiel der Ausgleich praktisch aus dem Nichts. Champions-League-Sieger Sneijder von Inter Mailand trat von halb rechts eine Freistoß-Flanke nach innen, fand aber keinen niederländischen Stürmer. Brasiliens Melo und sein Torwart standen sich gegenseitig im Weg, und Melo erwischte den Ball auch noch minimal mit dem Kopf, was aber reichte, um ihn ins eigene Tor abzulenken.

Danach reagierten die brasilianischen Ballzauberer verunsichert, und die Niederlande drängte auf die Führung. In der 68. Minute kam nach einem Eckball ausgerechnet Sneijder, mit 1,70 Meter einer der kleinsten Spieler auf dem Feld, frei zum Kopfball und versenkte das Leder in den Maschen.

Danach wurde die Gangart rauer. In der 73. Minute war der frustrierte Melo nicht mehr Herr seiner Nerven und versetzte dem am Boden liegenden Robben einen üblen Tritt, wonach ihn der Schiedsrichter mit Rot völlig zurecht des Feldes verwies.

Brasilien konnte in der Schluss-Viertelstunde nicht mehr zulegen und ergab sich seinem Schicksal, ohne dass ein Aufbäumen zu erkennen war. Der Top-Favorit dieser WM stürzte mit einer 1:2-Niederlage und mit ihm vermutlich auch sein in Brasilien so ungeliebter Trainer Dunga.

Es war das erste Mal in der WM-Geschichte, dass Brasilien nach einer 1:0-Führung am Ende noch als Verlierer vom Platz ging.

Die Niederländer dagegen blieben zum 24. Mal in Folge ungeschlagen und träumen jetzt natürlich von ihrem ersten WM-Titel.


Rafael Nadal und Serena Williams triumphieren in Wimbledon

Mahut und Isner schreiben Tennis-Geschichte

Guido Roth

Schon in der ersten Runde des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt schrieben der Franzose Mahut und der US-Amerikaner Isner Tennis-Geschichte. Ihr Match wurde zwei Mal wegen Dunkelheit abgebrochen, ging über drei Tage und dauerte elf Stunden und fünf Minuten, wobei die beiden Spieler insgesamt 215 Asse schlugen. Isner gewann das längste Tennis-Match aller Zeiten mit 6:4, 3:6, 6:7, 7:6 und 70:68 – ein Rekord für die Ewigkeit!

Nach diesem Spiel war Isner völlig ausgelaugt und unterlag in der zweiten Runde dem Niederländer de Bakker klar in drei Sätzen mit 0:6, 3:6 und 2:6.

Titelverteidiger Roger Federer kam nur schwer in Form und hatte in seinem Erstrunden-Match gegen den Kolumbianer Falla alle Hände voll zu tun, um einen 0:2-Satzrückstand noch in einen 3:2-Sieg umzumünzen. Doch im Viertelfinale war dann für den Schweizer Schluss. Roger unterlag dem Tschechen Berdych in 1:3 Sätzen und stand nach sieben Jahren zum ersten Mal nicht im Wimbledon-Endspiel.

Dies erreichte jedoch Berdych und traf dort Nadal, dem er hoffnungslos unterlegen war. Es war sogar ein Klassenunterschied zu erkennen, so deutlich dominierte der Spanier das Spiel. Fast mühelos siegte Nadal in drei Sätzen mit 6:3, 7:5 und 6:4. Nach fünf Jahren wurde erstmals wieder ein Wimbledon-Finale mit 3:0 Sätzen gewonnen. Dies gelang letztmals 2005 Roger Federer gegen Andy Roddick.

Im Damenturnier kam es in der ersten Runde zu großen Überraschungen, als die beiden Finalstinnen der French Open, Schiavone und Stosur, scheiterten. Die French-Open-Siegerin Schiavone aus Italien unterlag der Russin Dushevina mit 7:6, 5:7, und 1:6. Stosur verlor gegen die Estin Kanepi klar in zwei Sätzen mit 4:6 und 4:6.

Auch Thailands „Tammy“ Tanasugarn, letztes Jahr noch im Viertelfinale, musste schon in der ersten Runde die Segel streichen. Sie unterlag der Japanerin Morita.

Beste Deutsche war Angelique Kerber, die in der ersten Runde Indiens Nummer eins, Mirza, und in der zweiten Runde Israels Nummer eins, Peer, ausschaltete. In der dritten Runde war dann aber gegen die Australierin Groth Endstation.

Im Viertelfinale sorgte die Bulgarin Pironkova für eine kleine Sensation nach ihrem 6:3- und 6:2-Sieg über Venus Williams. Sie zog damit als erste Bulgarin in das Halbfinale eines Grand-Slam-Turnieres ein. Dort unterlag sie aber der zweifachen Pattaya-Open-Siegerin Zvonareva aus Russland mit 6:3, 3:6 und 2:6.

Zvonareva erreichte zum ersten Mal in ihrer Karriere ein Finale bei einem Grand-Slam-Turnier, war da aber gegen Titelverteidigerin Serena Williams chancenlos. Sie unterlag der Amerikanerin deutlich mit 3:6 und 2:6. Serena verteidigte in Wimbledon souverän ihren Titel, ohne auch nur einen Satz im gesamten Turnierverlauf abzugeben. Für Serena ihr erstes Wimbledon-Finale, das sie nicht gegen ihre ältere Schwester Venus bestritt.

Höchst erfreuliche Nachrichten gab es für die deutschen und österreichischen Tennis-Fans beim Herren-Doppel. Die Außenseiter Philipp Petzschner und sein österreichischer Doppel-Partner Jürgen Melzer erreichten nicht nur das Finale, sondern schlugen dort auch das schwedisch-rumänische Doppel Robert Lindstedt und Horia Tecau klar in drei Sätzen mit 6:1, 7:5 und 7:5. Petzschner ist erst der zweite Deutsche, dem ein Wimbledon-Sieg im Herren-Doppel gelang. Dieses Kunststück brachte bisher nur Michael Stich 1992 mit der amerikanischen Tennis-Legende John McEnroe fertig.


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