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Was hält einen eigentlich noch in Thailand?

Diese Frage hat sich bestimmt schon so mancher, der hier auf Dauer lebt, gestellt. Ich hatte am vergangenen Wochenende wieder einmal ein Erlebnis, das mich zu diesen Gedanken anregte. Sonst höre ich ja immer nur von Bekannten und Freunden davon, dass es in Thailand bergab geht und es längst nicht mehr das ist, was es vor vielen, vielen Jahren war – ein wahres Land des Lächelns.

Als ich am letzten Wochenende in der 3. Straße ein Steak essen wollte, hatte das Straßenrestaurant gerade aufgemacht, denn man war noch mit Vorbereitungen beschäftigt. Trotzdem brachte eine Angestellte umgehend eine Speisekarte. Meine Bestellung erfolgte per Bilder: ein Sprite, ein kleiner Salat und ein Chicken Pepper Steak. Nach etwa 10 Minuten fragte ich die Bedienung, ob sie mir nicht schon mal das Getränk bringen könne. Mehrere Personen wurden mit meinem ‚Wunsch‘ betraut und man stellte fest, dass man kein Sprite hatte. Ein Angestellter ging ins benachbarte ‚Restaurant’, wurde nicht fündig und ging ins nächste 7Eleven. Zwischenzeitlich kochte eine Köchin Spaghetti, der Koch putzte. Niemand kümmerte sich um mein bestelltes Essen. Der Junge kam auch nicht mit dem Sprite zurück. Nach weiteren endlosen Minuten entschied ich, auf mein Essen zu verzichten und verließ die gastliche Stätte. Dem Personal ging meine Entscheidung anscheinend dort vorbei, worauf sie sitzen.

Ich machte mir nun Gedanken, was uns Ausländer eigentlich in diesem Land hält. Es ist ja nicht nur derartiges Verhalten in der Gastronomie, es passiert einem in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Es gibt kein Lächeln mehr, Verkäufer behandeln einen, als wären wir Ungeziefer. Die Damen, die uns so sehr lieben, sind meist nur auf Profit aus. Handwerker haben ein ganz besonderes ‚Serviceverständnis‘. Freunde und Bekannte erzählten mir dazu tolle Geschichten. Angefangen bei den ‚Angebote mit teilweise utopischen (Farang) Beträgen geht es weiter über ‚flexible’ Arbeitszeiten (indem man wochenlang nicht erscheint) bis hin zur Arbeit in angetrunkenem Zustand inklusive Nickerchen. Und der Dreck, den die Handwerker hinterlassen, geht diese natürlich auch nichts an. Da wünscht sich dann so manch einer den deutschen Service.

Was ist es nun, was mich und viele andere hier hält. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was es ist. Für mich ist es das relativ stressfreie Leben. Aber, wenn man Autofahrer ist, dann ist es sicher nicht so stressfrei. Hat man eine Thai-Partnerschaft ist mit Sicherheit auch wenig von stressfrei zu bemerken. Das Doppel-Preissystem ist auch mit Stress für uns verbunden. Und es gibt noch sehr viel mehr, was uns Ausländer echt stört.

Ich glaube mittlerweile, dass viele nicht mehr in die Heimat zurück können, weil sie dort keinen Besitz, Familie oder Freunde mehr haben oder sich nicht mehr integrieren können. Auch der Stolz spielt eine große Rolle, da man nicht unbedingt von der Fürsorge leben will. Viele vegetieren hier lieber an der Grenze der Armut, bevor sie zugeben wollen, dass das ‚Land des Lächelns‘ ihnen nicht viel Freude und Glück gebracht hat.