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84 Tote in Nizza bei LKW-Amokfahrt

AP. In der Nacht zum Freitag den 15.7.2016 wurde Frankreich erneut von einem schweren Terroranschlag erschüttert. Während die Menschen in Nizza sich zu einer Feier zum ‚Bastille-Tag‘ dem französischen Nationaltag versammelten, raste ein Terrorist mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge. Auf seiner zirka 2 km langen Amokfahrt, tötete der 31-jährige Tunesier, Mohamed Lahouaiej Bouhlel, mindestens 84 Menschen, darunter auch Kinder. Mehr als fünfhundert Menschen, unter ihnen auch 54 Kinder, wurden zum Teil schwer verletzt, viele schweben noch in Lebensgefahr. Erst durch einen Schusswechsel mit der Polizei, bei der Terrorist getötet wurde, konnte die Amokfahrt gestoppt werden.

Eine verletzte Frau wird vom Tatort geführt.

Eine verletzte Frau wird vom Tatort geführt.

Der weiße Lastwagen tauchte plötzlich kurz nach Ende des Feuerwerks gegen 23 Uhr mit hoher Geschwindigkeit auf und raste mit Absicht in die Menschenmenge, die sich auf der Promenade des Anglais versammelt hatten. Und um möglichst viele Menschen an der Promenade des Anglais zu töten, fuhr der Attentäter im Zickzackkurs und soll angeblich auch noch in die Menge geschossen haben. Panik brach aus und die Menschen rannten um ihr Leben.

Augenzeugen sagten aus, dass die Leute wie Puppen durch die Luft flogen und umfielen wie Kegel. „Es war das reinste Chaos“, hieß es. Auf der Uferpromenade lagen nach der Attacke Dutzende Tote aufgereiht, notdürftig mit Tüchern bedeckt.

Rettungswagen kümmern sich um die Verletzten nach der Amokfahrt. (Sasha Goldsmith via AP)

Rettungswagen kümmern sich um die Verletzten nach der Amokfahrt. (Sasha Goldsmith via AP)

In dem Lkw wurden – neben einer offenbar nicht funktionsfähigen Granate und diversen Waffenattrappen – die Ausweispapiere sowie ein Mobiltelefon und eine Bankomatkarte des Tunesiers gefunden. Obwohl dieser offensichtlich alleine in der Fahrerkabine saß, wurde ein zweiter Ausweis dort gefunden. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte zu Gerüchten über eine Geiselnahme nach dem Angriff, dass dies nicht stimme.

Regionalpräsident Christian Estrosi rief nach dem Attentat die Bürger auf, in ihren Häusern zu bleiben. Auch die Präfektur des Departements Alpes- Maritimes forderte die Bevölkerung auf, aus Sicherheitsgründen zu Hause zu bleiben.

Der LKW wird nach der Amokfahrt durch Schüsse gestoppt. Im kleinen Foto ist der Täter zu sehen. (AP Photo Laurent Cipriani)

Der LKW wird nach der Amokfahrt durch Schüsse gestoppt. Im kleinen Foto ist der Täter zu sehen. (AP Photo Laurent Cipriani)

Frankreichs Staatschef Francois Hollande sagte nach dem Terrorakt, dass die Bluttat „eindeutig einen terroristischen Hintergrund“ hat. Der nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 verhängte Ausnahmezustand hätte eigentlich er zum Nationalfeiertag – und nach der ohne Zwischenfälle verlaufenen Fußball- EM -enden sollen. Nun soll dieser Ausnahmezustand um weitere drei Monate verlängert werden. Hollande sagte dazu: „Wir müssen alles tun, um gegen die Geißel des Terrorismus zu kämpfen“.

Hollande, war aus Avignon nach Paris zurückgekehrt, um an einer Sitzung des Krisenstabs im Innenministerium teilzunehmen. Innenminister Cazeneuve reiste umgehend an den Schreckensort. Noch am selben Abend fand eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Paris statt.

Menschen singen nach dem Attentat auf einer schnell errichteten Gedenkstätte die französische Nationalhymne, die ‚La Marseillaise‘ und halten sich dabei an den Händen. (AP Photo/)

Menschen singen nach dem Attentat auf einer schnell errichteten Gedenkstätte die französische Nationalhymne, die ‚La Marseillaise‘ und halten sich dabei an den Händen. (AP Photo/)

Die Ermittler untersuchen nun fieberhaft, ob der Attentäter allein gehandelt hat oder einer Gruppe angehörte. Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt, aber vieles deutet auf eine Terrorgruppe, da der Anschlag zu zwei ausdrücklichen Aufforderungen des IS an seine Anhänger aus den vergangenen Monaten passt: „Greift Frankreich und die Franzosen an und attackiert Menschen mit Lkws oder Autos“. In den sozialen Netzwerken loben IS- Anhänger die Tat, halten sich aber zur Person des Täters noch bedeckt.

 Der Hergang der Wahnsinnstat

Der Attentäter hatte sich den LKW zwei Tage vor dem Anschlag ausgeliehen. Er bog um 22:30 Ortszeit von einer Seitenstraße auf die Promenade des Anglais, wo Tausende Menschen ihren Nationalfeiertag begehen. Bereits auf den ersten Metern seiner Amokfahrt tötet er eine moslemische Frau und einen Mann und wenige hundert Meter weiter, in der Nähe der Mediterranen Universität von Nizza überfährt der Attentäter zahlreiche Menschen. Mindestens sieben sterben unter den Rädern. Wieder nur wenige Meter weiter fährt der skrupellose Attentäter in eine Menschenmenge. Wie viele Menschen hier starben ist noch nicht geklärt. Geschockte Zeugen im Strandrestaurant ‚Voilier Plage‘ beobachten die Amokfahrt. Unbeirrt fährt der LKW mit Höchstgeschwindigkeit weiter und tötet wieder 10 Menschen. Kurz vor dem

Hotel ‚West End‘ fährt er gezielt auf den Gehsteig, um weitere wehrlose Opfer zu treffen.

Vor dem ‚Westminster Hotel‘ eröffnet die Polizei das Feuer auf den Lastwagen, aber der Tunesier beschleunigt der nächsten Kreuzung sein Tempo. Beim Casino rast er dann wieder in eine Menschenmenge und tötet mehr als 20.

 Das Vorleben des Tunesiers

Mohamed Lahouaiej Bouhlel war in Frankreich, indem er Aufenthaltserlaubnis hatte, bereits – wegen ‚normaler Verbrechen‘, wie Diebstahl, Waffen- und häuslicher Gewalt, angeklagt gewesen. Erst im März diesen Jahres sei er wegen einer gewaltsamen Auseinandersetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dabei ging es um einen Streit nach einem Verkehrsunfall, bei dem er Mann eine Holzpalette auf seinen Kontrahenten war. Aber er stand nicht im Visier der Geheimdienste.

Ermittler durchsuchten bereits am Freitag die Wohnung des Attentäters und sperrten die Straße wurde ab. Einige hundert Meter entfernt wurde ein verdächtiges Paket von Spezialkräften gesprengt. Bei der Hausdurchsuchung jedoch wurden weder Waffen noch Sprengstoff gefunden. Datenträger wurden sichergestellt, die nun analysiert werden. Die Ex- Frau des Attentäters wurde am Freitagnachmittag festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.