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Chaos in Brüssel nach Terroranschlägen die eine Attacke auf Europa ist

AP. In den frühen Morgenstunden des 22. März 2016 begann in Brüssel das Chaos. Nach Explosionen am Brüsseler Flughafen starben mindestens 34 Menschen und über 200 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Normalität des Alltags zerbrach in diesem Moment in Brüssel. Und jedem ist es eigentlich klar, dass der Terrorismus zwar Belgien traf aber dass Europa das Ziel war. Denn die EU hat ihren Mittelpunkt in Brüssel.

Die Bürger von Brüssel haben schon seit den Attentaten in Paris ein mulmiges Gefühl, die Terrorwarnstufe ist seit Monaten sehr hoch, denn schließlich wurden diese Attentate in Brüssel geplant. Ihre Angst nahm an diesem Morgen schreckliche Gestalt an.

Ab acht Uhr überschlugen sich die Ereignisse. Es gab kurz hintereinander zwei Explosionen in der Abflughalle des Flughafens Zaventem, dem eine knappe Stunde später eine Explosion der U-Bahn-Station Maelbeek folgte.

Verletzte werden nach der Explosion an der Metro in Brüssel versorgt. (AP Photo)

Verletzte werden nach der Explosion an der Metro in Brüssel versorgt. (AP Photo)

Nach den Explosionen wurde der Zugverkehr zum Flughafen Zaventem unterbrochen und alle Flüge von und nach Brüssel wurden umgeleitet. Alle Bahnhöfe in Brüssel wurden gesperrt und auch die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr nach Aachen ein. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys stoppte seine Fahrten über Belgien. Die höchste Terror-Alarmstufe wurde eingeleitet, da man mittlerweile weiß, dass es sich um Terroranschläge handelte und die Bürger wurden aufgefordert in ihren Wohnungen oder am Arbeitsplatz zu bleiben. Außerdem wurde das Atomkraftwerk Tihange in der Nähe von Lüttich teilevakuiert. Das Gebäude der EU-Kommission wurde vollständig geräumt. Das Audi-Werk stoppte die Nachmittagsschicht und schickte mehr als 1.100 Mitarbeiter nach Hause. Der öffentliche Nahverkehr wurde ebenfalls eingestellt.

Gegen Mittag wurde in einer Zwischenbilanz verkündet, dass es elf Tote und 81 Verletzte am Flughafen gab. Kurz nach 14 Uhr erfuhr man, dass es in der Metro 20 Todesopfer gab. Gleichzeitig wurde am Flughafen ein Sprengstoffgürtel gefunden, der nicht gezündet wurde und eine Kalaschnikow wurde ebenfalls gefunden. Es wird vermutet, dass der Selbstmordattentäter in diesem Fall Panik bekam. Er sei bei der Flucht vom Flughafen gesehen worden, hieß es. Die Polizei gab auch bekannt, dass sich zwei Täter am Flughafen selbst in die Luft gesprengt haben.

IS bekennt sich zu den Anschlägen

Der Islamische Staat bekannte sich am spãten Nachmittag zu den Anschlägen. Mehrere „Soldaten des Kalifats“ hätten mit Sprengstoffgürteln und Sprengkörpern den „Kreuzfahrerstaat Belgien“ angegriffen, hieß es in einer Stellungnahme im Internet. Vorher hatten Anhänger der IS bereits die Anschläge von Brüssel in Internet-Netzwerken gelobt. Sie verkündeten selbstsicher, dass der IS die Menschen zwingen wird keine Muslime zu töten. „Wir schlagen zu“, schreiben sie, „denn wir wissen, dass ein Staat uns verteidigt“.

Ein Verletzter wird nach der Explosion an der Metro ins Krankenhaus verbracht.  (AP Photo)

Ein Verletzter wird nach der Explosion an der Metro ins Krankenhaus verbracht.
(AP Photo)

Mittlerweile stellte die Polizei die gründliche Suche nach Waffen und möglichen Verdächtigen am Flughafen ein, aber Durchsuchungen in der Stadt hielten unvermindert an.

Ein Foto einer Sicherheitskamera vom Brüsseler Flughafen wurde in den Medien veröffentlicht. Darauf sieht man Verdächtige des Bombenattentats. Es handelt sich um drei junge Männer mit dunklen Haaren, die Gepäckwagen schieben, deren Identität aber noch unklar ist.

Die Attentäter hatten die Bomben nach Behördenangaben in ihren Koffern in die Abflughalle gebracht. Sie kamen per Taxi an und in ihren Koffern waren die Bomben versteckt“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Zaventem, Francis Vermeiren. Der Taxifahrer, der die Attentäter zum Flughafen gebracht hatte, führte die Polizei zum Ort, wo er die Fahrgäste aufgenommen hatte, in die Brüsseler Gemeinde Schaerbeek. Dort wurde laut Staatsanwaltschaft eine IS-Flagge, ein Sprengsatz und chemische Substanzen gefunden. Am Abend wurde bei einer anderen Hausdurchsuchung in Brüssel eine weitere Bombe gefunden.

Bilder des Grauens nach den Anschlägen

Laut Aussage eines Verantwortlichen eines Krankenhauses in Löwen wurden bei den Explosionen am Flughafen Nagelbomben verwendet. Eine Zeugin in der Abflughalle gab an, dass sich die Menschen bei der Explosion auf den Boden warfen. Es wurden angeblich auch Schüsse vernommen. Und dann plötzlich stürzten die Decken ein. Als der Staub sich legte gab er die Sicht frei auf die vielen Toten und Verletzten, von denen einige mit abgerissenen Beinen auf dem Boden lagen.

Eine Verletzte verlässt den Flughafen Brüssel nach den Attentaten. (David Crunelle via AP)

Eine Verletzte verlässt den Flughafen Brüssel nach den Attentaten. (David Crunelle via AP)

Ein Zeuge, der bei der Gepäckaufladung arbeitet, sagte aus, dass jemand auf Arabisch etwas gerufen habe, aber er verstand nicht, was. Sofort danach hörte er die Explosion.

Menschen liefen in Panik Richtung Parkhaus. Dort versteckten sie sich zwischen den Autos.

Dann explodierte ein Sprensatz in der U-Bahn. Zeugen berichteten, dass Menschen blutend auf den Straßen saßen und notdürftig von Passanten versorgt wurden bis bewaffnete Sicherheitskräfte auftauchten auf. Sanitäter kamen erst nach einer guten halben Stunde an den Ort des Schreckens. Tote lagen überall herum. Andere Augenzeugen berichteten vom U-Bahn-Anschlag, dass sie eine starke Druckwelle spürten und einen dumpfen Knall hörten. Vor der U-Bahn-Station Maelbeek drang weißer Rauch aus dem Schacht und beißender Geruch lag in der Luft. Die Explosion hatte sich anscheinend im Inneren einer U-Bahn ereignet. Eine Frau sagte aus, dass sie selbst im Zug sass als der Waggon vor ihrem plötzlich detonierte. Ein U-Bahn-Mitarbeiter habe sie bei völliger Dunkelheit mit einer Taschenlampe durch den U-Bahn-Tunnel geleitet. Sie hörte Menschen schreien und der Tunnel sei voll Rauch gewesen. Niemand von den Geretteten sah, wohin sie geführt wurden. Wahrscheinlich wurden die Menschen zwischen den Stationen Schuman und Maelbeek in beiden Richtungen in Sicherheit gebracht.

Die Menschen sind entsetzt und geschockt, als sie den Flughafen Brüssel verlassen. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)

Die Menschen sind entsetzt und geschockt, als sie den Flughafen Brüssel verlassen.
(AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)

Polizisten und U-Bahn-Mitarbeiter verteilten an der Station Maelbeek Notfalldecken. Die Verletzten wurden in ein angrenzendes Büro der U-Bahn gebracht. Es gab lange keine Sanitäter zu sehen aber nach einer halben Stunde kamen Soldaten und der Explosionsort wurde mit Panzern gesichert. Dann endlich kamen Ärzte, die sich um die sich um die Schwerverletzten auf dem Gehsteig kümmerten und Verletzte wurden an der U-Bahnstation versorgt. Die Einsatzkräfte stiegen in den U-Bahn-Schacht hinunter. Die Rue de la Loi an der U-Bahn-Station wurde bis kurz vor dem Amtssitz des Kommissionspräsidenten komplett gesperrt und Sondereinsatzkräfte mit Gesichtsmasken und Sturmgewehren kontrollierten jedes einzelne Fahrzeug am Straßenrand.

Politiker aus aller Welt melden sich zum Attentat

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere ordnete für heute, den 23.3. 2016, bundesweit Trauerbeflaggung an allen Behörden und Ämtern an, die in der Verantwortung des Bundes stehen, um Anteilnahme und Solidarität gegenüber dem belgischen Volk zu zeigen. Er sagte, er schließe auch eine Verbindung zwischen den Anschlägen von Paris und Brüssel nicht aus, es könne sich um dasselbe Netzwerke handeln.

Die Verhaftung von Salah Abdeslam (Mitte). Er scheint irgendetwas aus seiner Hose zu verlieren. Was, gab die Polizei nicht bekannt. (VTM via AP)

Die Verhaftung von Salah Abdeslam (Mitte). Er scheint irgendetwas aus seiner Hose zu verlieren. Was, gab die Polizei nicht bekannt. (VTM via AP)

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel sagte Belgien volle Unterstützung bei der Suche nach den Attentätern zu. Sie meinte: „Wir müssen grenzenlose Entschlossenheit zeigen, den Terrorismus zu besiegen. Die Täter sind Feinde aller Werte für die Europa steht und zu denen wir uns gemeinsam als Mitglieder der Europäischen Union bekennen“. Sie führte weiter aus, dass es um die Werte der Freiheit gehe, der Demokratie und des friedlichen Zusammenlebens als selbstbewusste Bürger. „Unsere Kraft liegt in unserer Einigkeit und unsere freien Gesellschaften werden sich als stärker erweisen als der Terrorismus. Die Mörder von Brüssel sind Terroristen ohne Rücksicht auf die Gebote der Menschlichkeit“, sagte sie.

Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck auf seiner China-Reise gesagt, dass Deutschland die Trauer teile und an der Seite seines Nachbarn stehe.

US-Präsident Barack Obama, der sich im Moment in Havanna befindet, verurteilte die Anschläge scharf, während der US-Verteidigungsminister Ashton Carter versicherte, dass kein Anschlag die Entschlossenheit der USA und ihrer Alliierten erschüttern könne, die Extremisten-Miliz Islamischer Staat zu besiegen. Er versicherte den europäischen Verbündeten volle Unterstützung im Kampf gegen den Terror.

Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump meinte bei einem Fernseh-Interview: „Ich würde unsere Grenzen zumachen“.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt die Anschläge aufs schärfste.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte nach den Anschlägen von Brüssel einen gemeinsamen internationalen Kampf gegen jede Form von Terrorismus. Er sagte: „Diese Terrorakte in Belgien zeigen, dass es keinen Unterschied darin gibt, ob kurdische Extremisten in Ankara Anschläge verüben oder IS Mitglieder dies in Brüssel tun“.

Der tschechische Präsident Miloš Zeman, der im Vorjahr die Einwanderungswelle als „organisierte Invasion“ Europas bezeichnete, sagte nach den Anschlägen, dass es jetzt deutlich werde, wie sehr die Terrorgefahr in Europa unterschätzt wird.

In Ungarn sagte Außenminister Peter Szijjarto, dass die Aufnahme von Flüchtlingen für die Attentate in Brüssel verantwortlich gemacht werden müssen. „Es gibt kaum noch einen vernünftigen Menschen in Europa, der in Frage stellt, dass die Terrorismusgefahr wegen der unkontrollierten illegalen Einwanderung gestiegen ist“, sagte er.

Bayerns Innenminister Herrmann fordert EU-Einreiseregister nach den Terroranschlägen von Brüssel. Er sagte: „Wir müssen wissen, wer einreist, wer hier bleibt, wer abreist. Das ist in den USA ganz selbstverständlich. Wir in Europa aber haben nach wie vor überhaupt keinen Überblick“.

Die EU-Staats- und Regierungschefs veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung zu den Bombenanschlägen von Brüssel in der es heißt, dass die Anschläge die Entschlossenheit verstärken, mit der man die europäischen Werte verteidigen werde.

Belgiens Regierungschef Charles Michel rief seine Landsleute zur Einigkeit auf. Er werde kämpfen, um die demokratischen Werte zu verteidigen, sagt Michel bei einer Pressekonferenz.

Der belgische König Phillippe wieder rief die Nation in einer Fernsehansprache auf, mit Entschlossenheit, Ruhe und Würde auf den Terror zu reagieren.

Gelassenheit, Ruhe und Unerbittlichkeit? Viele meinen, das sind die Mittel, mit denen man dieser Barbarei begegnen muss. Aber was ergibt die nüchterne Fehleranalyse? Was haben die Behörden im Kampf gegen den Terror versäumt?

Viele Fragen bleiben noch offen

Hängen die Bluttaten mit der Festnahme von Salah Abdeslam, 26, einem der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris, zusammen? Salah Abdeslam, wurde am Freitag in Brüssel verhaftet. Er befindet sich im Moment in einem Hochsicherheitsgefängnis in Belgien. Frankreich verlangt seine Auslieferung. Er wurde nach vier Monaten Flucht vor den Behörden in der Gegend in der er aufwuchs, Molenbeek, verhaftet. Als die Behörden in die Wohnung eindringen wollten, wurden sie aus Kalashnikovs von drei Leuten beschossen. Vier Polizisten wurden dabei leicht verletzt. Zwei Angreifer konnten entkommen, ein Dritter wurde von einem belgischen Scharfschützen getötet. Aber Salah Abdeslam wurde später gefasst. Haben die Extremisten ihre offensichtlich genau geplanten Attentate deshalb vielleicht etwas vorgezogen?

Es ist noch nicht bekannt, ob tatsächlich die Terrorzelle um Abdeslam dahintersteckt. Aber zwei seiner Komplizen, Najim Laachraoui (24) und Mohamed Abrini (31), werden namentlich gesucht. Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw sagte gegenüber der Presse, dass es im Moment nicht möglich sei eine formale Verbindung zu den Anschlägen von Paris herzustellen.

War der Anschlag in der Metro-Station Maelbeek ebenfalls ein Selbstmord-Attentat? Oder detonierte eine ferngezündete Bombe, möglicherweise auch mit Zeitzünder?

Der Rhythmus der EU ist gestört

Die Bombenanschläge in Brüssel treffen die Union in der schwersten Krise seit Beginn der europäischen Einigung. Genau dann als die Flüchtlingskrise die beiden Fundamente der EU infrage stellten: den Anspruch von Humanität und ihr Versprechen von Sicherheit. Europa ist unsicher geworden ob man diesen Menschen helfen kann und soll oder ob sie Europa schaden werden.

Europa hat versucht, seine Normalität wiederherzustellen und erst in der vergangenen Woche einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf eine grobe Linie in der Flüchtlingspolitik mit dem Ziel, die Grenzkontrollen in Europa wieder zu beenden, damit die größte Errungenschaft der EU, der freie Reiseverkehr, geschützt werde.

Die EU ist tief getroffen. Genau dort, wo man Harmonie dekretieren wollte: im Herzen der bereits defekten Problemlösungsmaschine EU.

Zu den Terroranschlägen von Brüssel wird es auf Bitten von Belgien, in Kürze ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Dieses Treffen könnte bereits am morgigen Donnerstag stattfinden. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es aber auch nach den Anschlägen von Paris gegeben.