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Der Ton macht die Musik, das Wort macht die Sprache

Ein Echo aus der Schweiz

So wars auch während der Fasnacht, die als Narrenzeit(im Michelsamt die fünfte Jahreszeit!) nun hinter uns liegt.

„Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?“, hat sich schon vor über 200 Jahren Goethe gefragt. Verklungen sind die vielen „Hoi, Hai, Salü, Servus, Tschüss, Ciao und Hallo.“

Was bleibt sind Erinnerungen, bunte Bilder, witzige Sprüche und zünftiger Galgenhumor. Gut, ja heilsam zu wissen, dass „humor“ auf Latein „Flüssigkeit“ heisst. Schon in der Antike haben Ärzte Schwerkranke, Depressive und traurige Menschen, die bekanntlich an starken Flüssigkeitsverlust leiden, mit Wasser kuriert. Ihrer Meinung nach bestimmt die Mischung der Säfte im menschlichen Körper das Gemüt. So bekam das Wort „humor“ die Bedeutung „Stimmung, Laune“. Von gut gelaunten, unternehmungslustigen Leuten sagt man heute zurecht, sie sind „voll im Saft“.

Wunderschönes Graubünden.

Wunderschönes Graubünden.

Mein Übergang von der Fasnacht zur Fastenzeit geschah mit einem wohlklingenden und zuversichtlichen „Allegra“. Dieser Gruss kommt mir je länger je mehr bewusst über die Lippen. Kürzlich wurde ich nach Sinn und Bedeutung dieses in der Innerschweiz scheinbar auffälligen

Grusswortes gefragt. Wie meine Nachforschungen ergeben, wurde das romanische Wort ursprünglich im Engadin verwendet, wenn jemand einem freundlichen Gesicht begegnete.

Inzwischen hat sich Graubünden, im Volksmund das Land der 120 Täler, auch vernetzt, ist diese Grussformel wie das „Grüezi“ Allgemeingut geworden. Als Rätoromane ist dieses sonore „Allegra“ Musik in meinen Ohren. Viele Musikstücke beginnen mit einem „Allegro“, andere schliessen mit einem solchen. Für den Musizierenden heisst dies: Bewegt, beschwingt, heiter, fröhlich, unbeschwert und freudig spielen. Wie auch immer, für mich drückt „Allegra“ die Freude darüber aus, dass ich vom Fleck komme, gerne in unseren einladenden Flecken gehe,

dass es weitergeht und ich weiter hoffen darf; denn, in ihrem Ursprung lautete diese Grussformel „Dieu t’allegra!“ was soviel wie „Gott soll dir helfen“ bedeutet!

Felici Curschellas.

Felici Curschellas.

Unsere Schweiz, ein Land durch viele günstige Lebensbedingungen geprägt, ist Grund genug, uns zu freuen, heiter zu sein, bewegt, vergnügt und lustvoll voranzuschreiten. Welch’ schöner Gruss, der besagt: Sei kein Kind von Traurigkeit, frisch voran und munter weiter, denn es soll dir gut gehen. Also, Allegra!

Nachwort: Felici Curschellas lebte einige Zeit mit seiner Gattin Marie-Theres in Thailand. Wenn auch nicht immer das ganze lange Jahr aber die beiden waren meist etliche Wintermonate hier zu Hause. Nun kommt Felici nur noch selten nach Pattaya aber das Schöne bei einer Freundschaft ist: sie bleibt auch trotz Entfernung bestehen!

Übrigens wurde am 20. Februar 1938 mit 91,6 Prozent Ja-Stimmen der Schweizer die Rätoromanische Sprache zur vierten Landessprache erklärt.