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Deutschland trauert um Helmut Kohl

Wie die Deutsche Botschaft bekannt gab und wie es alle Medien berichteten, verstarb Alt-Bundeskanzler (1982 – 1998)Helmut Kohl am 16. Juni 2017 im Alter von 87 Jahren.

Deutschland trauert um Helmut Kohl

Deutschland trauert um Helmut Kohl.

Anlässlich seines Todes legt die Deutsche Botschaft Bangkok an den folgenden Tagen ein Kondolenzbuch aus: Am gestrigen  Montag, am heutigen Dienstag, den 20. Juni, und Mittwoch, den 21. Juni 2017, jeweils von 10.00 bis 16.00 Uhr.

 Das Leben und Wirken des „Einheitskanzlers“ und großen Europäers

Helmut Kohl wurde am 3. April 1930 als drittes Kind des Finanzbeamten Hans Kohl (1887–1975) und dessen Frau Cäcilie (1891–1979, geborene Schnur) in Ludwigshafen-Friesenheim geboren. Kohl wuchs zusammen mit seiner Schwester Hildegard und seinem Bruder Walter in einer konservativ-katholisch geprägten Familie auf und verbrachte seine Kindheit und Jugendzeit in Friesenheim und besuchte dort auch die Grundschule und die Oberrealschule. Im Jahre 1944 musste Kohl mit 14 Jahren zum Dienst in einem Ludwigshafener Feuerlöschtrupp antreten. Per Kinderlandverschickung kam er nach Erbach im Odenwald und später nach Berchtesgaden, wo er als Mitglied der Hitlerjugend eine vormilitärische Ausbildung erhielt .Zum Einsatz als Flakhelfer kam es nicht mehr. Von Berchtesgaden lief er ab Ende April 1945 mit drei Schulkameraden zu Fuß nach Ludwigshafen und kam dort im Juni an. Im August 1945 begann er eine landwirtschaftliche Lehre bevor er an die Oberrealschule zurückkehrte und 1950 sein Abitur machte. Im selben Jahr begann er sein Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte in Frankfurt am Main. 1951/52 wechselte er an die Universität Heidelberg wo er Geschichte und Staatswissenschaften studierte und 1956 sein Studium abschloss. Noch im gleichen Jahr wurde

Kohl wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alfred-Weber-Institut der Universität. 1958 promovierte er zum Dr. phil. Anschließend wurde er in seiner Heimatstadt Direktionsassistent bei einer Eisengießerei und 1959 Referent beim Verband der Chemischen Industrie.

Seine politische Karriere begann Kohl bereits 1946 bei der CDU und war 1947 Mitbegründer der Jungen Union in Ludwigshafen. Auf Landesebene wurde er 1953 Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der CDU in der Pfalz, 1954 stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz, 1955 Mitglied des Landesvorstandes der CDU Rheinland-Pfalz und von März 1966 bis September 1974 deren Landesvorsitzender. 1959 wurde er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Ludwigshafen und als Abgeordneter in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt, von 1960 bis 1969 war er Fraktionsführer der Stadtratsfraktion Ludwigshafen nd ab 1963 CDU-Fraktionsvorsitzender. 1966 wurde Kohl Mitglied des Bundesvorstandes der CDU, ab 1969 Stellvertretender Bundesvorsitzender und von 1973 bis 1998 Parteivorsitzender der CDU. Er war von 1969 bis 1976 dritter Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und von 1982 bis 1998 sechster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Kohl hatte dieses Amt sechzehn Jahre und damit von allen bisherigen  Amtsinhabern am längsten inne. Von 1973 bis 1998 war er Bundesvorsitzender, danach bis 2000 Ehrenvorsitzender seiner Partei. Er wird als „Einheits-Bundeskanzler“ in die Geschichte und als großer Europäer eingehen, der auch eine wichtige Rolle zur Vorbereitung der EU und bei der Einführung des Euro spielte.

Nachdem sich der Zusammenbruch der DDR abzeichnete und die Berliner Mauer am 9. November 1989 gefallen war, legte Kohl ohne vorherige Absprache mit dem Koalitionspartner  und den westlichen Bündnispartnern am 28. November 1989 im Deutschen Bundestag ein „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ vor. Am 18. Mai 1990 wurde der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit der DDR unterzeichnet, in dem Kohl gegen den Widerstand des Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl einen Umtauschkurs von Mark der DDR in D-Mark von 1:1 bei Löhnen, Gehältern, Mieten und Renten durchsetzte. Dies erwies sich später als starke Belastung für die Betriebe der neuen Bundesländer. Gemeinsam mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher erreichte Kohl zusammen mit dem letzten und einzig demokratisch gewählten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière in den sogenannten Zwei-plus-Vier-Gesprächen mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs deren Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands in Form des Zwei-plus-Vier-Vertrags und die Einbindung des wiedervereinigten Deutschlands in die NATO.

Im Privatleben war Helmut Kohl mit der Fremdsprachensekretärin Hannelore Renner (1933–2001), seit 1960 verheiratet. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Walter und Peter hervor. In den folgenden Jahrzehnten verbrachte die Familie Kohl ihren jährlichen 4-wöchigen Sommerurlaub stets in St. Gilgen am Wolfgangsee in Österreich.

Hannelore Kohl nahm sich am 5. Juli 2001 im Alter von 68 Jahren das Leben, nachdem sie zuvor jahrelang zurückgezogen gelebt hatte, bedingt durch eine sogenannte Lichtallergie.

Kohl musste sich ab 2007 mehreren schweren Operationen wegen teils komplizierter Erkrankungen unterziehen. Im Februar 2008 erlitt er bei einem Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma. Er konnte seitdem kaum noch sprechen und benutzte bei öffentlichen Auftritten einen Rollstuhl.

Am 8. Mai 2008 heiratete er die wesentlich jüngere Maike Richter in der Kapelle einer Reha-Klinik in Heidelberg im engsten Freundeskreis. Ddie promovierte Volkswirtin lernte er kennen, als sie von 1994 bis 1998 als Beamtin in der Wirtschaftsabteilung in Bonn arbeitete. Sie lebte von 2005 bis zu seinem Tod mit Helmut Kohl in einer festen Beziehung.

Kohl starb am 16. Juni 2017 im Alter von 87 Jahren in seinem Oggersheimer Haus. Helmut Kohl soll als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden, die letzte Ehrung neben all den vielen anderen Preisen die er zu Lebzeiten erhalten hatte.