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„Hinrichtung“ an Polizisten in Dallas, USA

Dallas. Am Abend (Ortszeit) des 7. Juni 2016 fielen plötzlich Schüsse als Demonstranten in Dallas gegen Polizeigewalt protestierten. Doch die Schüsse, die die Demonstranten in Panik auseinanderlaufen lassen gelten nicht ihnen, sondern den Polizisten. Heckenschützen hatten die Schüsse abgegeben und fünf Polizisten tödlich getroffen, zwei weitere so schwer verletzt, dass sie noch in Lebensgefahr schweben und auch einen Zivilisten verletzt.

Die friedliche Demonstration, an der Hunderte von Menschen, Weiße, Schwarze, Gelbe und Braune teilnahmen, lief unter dem Motto „Das Leben von Schwarzen zählt“. Zwei Schützen hatten von erhöhter Position auf die Polizisten geschossen, ein anderer Mann, er wurde dabei von einem Mann aus einem Hotelfenster heraus gefilmt, lehnte an einer Mauer und schoss um sich. Als ein Polizist auf ihn zukam, schoss er aus der Nähe auf diesen und obwohl der Polizist bereits am Boden war, schoss der Angreifer weiterhin auf ihn.

Nach dem Blutbad in Dallas wird gebetet. (David Woo/The Dallas Morning News via AP)

Nach dem Blutbad in Dallas wird gebetet. (David Woo/The Dallas Morning News via AP)

Drei Verdächtige, darunter eine Frau, werden verhaftet. Zwei andere Männer werden gefasst, nachdem die Polizei Stofftaschen in Tarnfarben bei ihnen im Auto fand. Ein anderer Mann stellte sich selbst, nachdem sein Foto als mutmaßlicher Täter veröffentlicht wurde – er wurde aber später wieder freigelassen.

Ein mutmaßlicher Heckenschütze lieferte sich in einem Parkhaus einen Schusswechsel mit Elitesicherheitskräften. Nach stundenlangen Verhandlungen mit dem Verdächtigen, der sagte, dass er ‘überall’ im Parkhaus und in der Innenstadt Bomben gelegt habe, wird der Mann erschossen. Mehrere Einheiten der Polizei durchsuchten mittlerweile das Zentrum von Dallas nach Sprengsätzen, jedoch ohne Erfolg. Der Luftraum über Dallas wurde für alle Flüge außer Rettungsflugzeuge, gesperrt. Der öffentliche Nahverkehr wurde ebenfalls unterbrochen.

Was als Protest gegen tödliche Gewalt aus den Reihen der Polizisten begann, endete in einer blutigen und blinden Abrechnung mit den Sicherheitskräften, endete in einer Art „Hinrichtung“.

Dieser Demonstration voran gingen Vorfälle bei denen Schwarze von weißen Polizisten getötet wurden – die letzten beiden Schwarzen innerhalb von zwei Tagen. Der letzte Fall ereignete sich im Bundesstaat Minnesota, als eine Frau, Diamond Reynolds, wegen eines kaputten Rücklichts angehalten wurde. Um keine Probleme zu bekommen, sagte ihr Freund, Philando Castile, 32, der neben ihr sitzt, dem Polizisten, dass er eine Waffe mit Lizenz dabei habe. Als er seine Brieftasche hervorholen wollte, um ihm den Ausweis zu zeigen, schoss der Polizist ohne Warnung viermal auf ihn. Die Frau hatte ihre Videokamera eingeschaltet und filmte den gesamten Vorgang. Der Polizist sagte später: „Ich habe ihm gesagt, er solle nicht danach greifen. Ich habe ihm gesagt, er soll seine Hände still halten.“ Philando starb im Krankenhaus an seinen Schusswunden. Das 10-minütige Video wurde von der Frau ins Internet gestellt und rief diese Massenempörung im gesamten Land herbei.

Dabei spielte auch eine Rolle, dass nur wenige Stunden zuvor der 37-jährigen CD-Verkäufer Alton Sterling, ebenfalls ein Schwarzer, auf einem Parkplatz in Louisiana überwältigt und erschossen worden war. Die Polizisten waren gekommen, da ein Mann angerufen hatte, dass er von einem anderen Mann mit einer Pistole bedroht werde. Die Polizisten fragten nicht lange und erschossen den Schwarzen ohne zu wissen ob es sich bei ihm um den Angreifer handelt.