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Nach Einschränkung der Proteste geht das Geschäftsleben weiter

Thailands politische Krise ist zwar noch lange nicht gelöst, aber Bangkok hat mindestens einen Grund, zeitweise erleichtert aufzuatmen: Am Montag, den 3. März 2014, räumten die Protestierer größere Straßenkreuzungen, und der Verkehr verlief nach sechs Wochen zum ersten Mal wieder normal.

Das sind gute Nachrichten für Geschäftsleute – auch für diejenigen, die die Demonstranten unterstützt hatten und für die motorisierten Verkehrsteilnehmer, die sich während der Blockaden durch ein halbes Dutzend der Hauptverkehrsadern der Hauptstadt durchschlängeln mussten.

Das Geschäftsleben in Bangkok floriert wieder.

Das Geschäftsleben in Bangkok floriert wieder.

„Ich bin wirklich froh, dass sie sich zurückgezogen haben“, sagte Rattanaporn Intarit, der eine Boutique für Damenbekleidung am Siam Square betreibt, einer lebhaften Geschäfts- und Einkaufsgegend im Stadtzentrum. „Mich interessiert nicht, warum sie es machten; aber ich bin nur froh, dass sie weg sind und hoffe, die Wirtschaftslage verbessert sich.“

Die Protestierenden haben monatelang erfolglos für einen Rücktritt der Premierministerin Yingluck Shinawatra gekämpft und den Weg für einen nicht gewählten Rat frei zu machen, der Reformen gegen Korruption einleiten sollte. Zeitweilige Gewalttätigkeiten hinterließen 23 Tote und über 700 Verletzte. Während der letzten Wochen wurden die Demonstrationsplätze fast täglich tätlich angegriffen.

Erst kürzlich wurden zwei Granaten auf das Gebäude des Strafgerichtshofes in Nord-Bangkok geworfen, aber laut Gerichtsbeamten wurde niemand verletzt.

Bisher hat die Armee – die seit dem Ende der absoluten Monarchie im Jahre 1932 elf Mal geputscht hatte und als Sympathisant der Demonstranten angesehen wird – wenig Appetit für eine Intervention gezeigt. Die meisten glauben, der wirkliche Kampf wird vor den Gerichten stattfinden. Yingluck muss sich etlichen juristischen Herausforderungen stellen, die sie das Amt kosten könnten.

Vor zwei Wochen begann die Antikorruptionskommission mit einem Verfahren wegen Amtsvernachlässigung gegen Yingluck in Zusammenhang mit dem Reis-Subventionsprogramm. Ihr drohen möglicherweise Amtsenthebung durch den Senat oder strafrechtliche Folgen, wenn ein endgültiges Urteil vorliegt.

Obwohl die Protestierer immer noch Straßen bei Yinglucks Büro im Regierungssitz und eine Zufahrt zum Bürokomplex der Regierung in Nord-Bangkok blockieren, begannen sie zusammenzupacken und verließen verschiedene andere größere Straßenkreuzungen.

Nun ist das Stadtzentrum endlich wieder für den Verkehr geöffnet. Motorfahrzeuge und Fußgänger können nun die Gegenden wieder benutzen, die mit Sandsäcken und Stahltoren verbarrikadiert waren und von Wachleuten der Protestierer patrouilliert wurden, die Fahrzeuge und Taschen von Vorbeifahrenden durchsuchten. Die schwindende Anzahl von Demonstranten zog zum zentralen Demonstrationsplatz im Lumpini Park und verwandelten die einst grüne Fläche des Stadtparks in ein Meer von Zelten.

Geschäftsleute sagen, die Auswirkungen der derzeitigen Straßendemonstrationen waren die schlimmsten seit elf Jahren. Thailands Hauptstadt erlebte mehrere Runden von Unruhen und Massenprotesten seit 2006 der Bruder Yinglucks, der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra, durch einen Putsch entmachtet wurde. Aber Rattanaporn sagte, dieses Mal wird es länger dauern, bis sich die Geschäfte wieder erholt haben.

„Kunden, besonders Ausländer, sind bisher nicht wieder zurückgekommen“, sagte er. „Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es wieder so lebhaft wird. Aber es ist ein gutes Gefühl, dass draußen wieder Autos fahren und zum Siam Square kommen.“

Sri Somdee, 60, die Schuluniformen in der Nähe vom MBK verkauft, einem bei thailändischen und ausländischen Touristen beliebten Einkaufszentrum, meinte, sie sei „sehr erleichtert“, dass die Protestierenden gegangen sind. „Ich weiß, sie kämpfen für ihre Sache, aber sie behindern dadurch die Geschäfte“, sagte sie.

Die städtischen Verkehrsbetriebe, die die öffentlichen Busse betreiben, kündigten an, sie nehmen auf 21 Buslinien wieder den normalen Betrieb auf, nachdem sie 94 Millionen Baht Verlust machten, etwa 21 Prozent der normalen Einnahmen seit Januar. Jedoch sind 20 Buslinien immer noch unterbrochen durch verstreute Zeltlager der Demonstranten in der ganzen Stadt.