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… alles nur geliehen?

Betrachtet man den Lauf der Welt und das eigene Leben sowie alles Leben rundherum richtig, dann kommt man zwangsläufig zu dem Schluss und der Erkenntnis, dass alles was man an materiellen Dingen hat, woran man hängt, alle Beziehungen, Freundschaften, Familienbande und natürlich das eigene Leben letztendlich nur geliehen ist. Auch die eigene materielle Persönlichkeit resp. das sterbliche Bewusstsein ist vergänglich und fällt eines Tages der Vergänglichkeit anheim und verschwindet scheinbar im Dunkel der Vergessenheit. Nichts, wonach wir greifen, uns sehnen und was wir womöglich mit der ganzen Kraft unseres Denkens und Fühlens haben wollen, können wir wirklich besitzen, weil es eben materiell ist und uns zwischen den Fingern zerrinnt, wenn seine oder unsere Zeit des Abschieds gekommen ist.

Und doch gibt es einen unsterblichen, alles Vergängliche überdauernden Faktor in unserem Leben, den wir allzu gern in unserem kurzsichtigen Blick auf die Wirklichkeit auf die Dinge übersehen und aus unserem Denken ausblenden, der uns sehr wohl „für immer und ewig“ erhalten und quasi unser Besitz bleibt, nämlich was den geistigen Teil in uns betrifft – und das ist das Schöne und Entscheidende dabei. Die Geisteslehre lehrt uns, dass alles und jedes was wir in unserem Leben vollbringen, denken, fühlen, emotionalisieren, tun, erreichen, geben, nehmen usw. usw. bis ins kleinste Detail impulsartig in den Speicherbänken festgehalten und aufgezeichnet wird. Das gilt für das aktuelle Leben unserer Persönlichkeit ebenso wie für alle vorherigen Leben der Inkarnation unserer unvergänglichen Geistform. Und auf diese Impulse greifen wir (überwiegend unbewusst) durch unser Unterbewusstsein zu, weil wir mit unserer persönlichen „Schublade“ in den Speicherbänken schwingungsmäßig per Frequenzgleichheit fortwährend verbunden sind. Das zu wissen, ist nicht nur tröstlich, sondern es macht das Leben erst lebenswert und gibt allem Dasein und dem Tun und Lassen im Hier und Jetzt seinen tieferen, in die Zukunft weisenden Sinn, der den dummen Spruch der Materialisten und Nihilisten Lügen straft: „Man lebt nur einmal, danach ist nichts mehr und alles unwiderruflich aus!“ Auf das jeweils aktuelle, gegenwärtige Leben trifft dies teilweise zu, denn dieses ist insofern einmalig und unwiederbringlich, weil es unsere jetzige Persönlichkeit mit all ihren Merkmalen, Eigenheiten, Stärken, Tugenden, Schwächen und Untugenden in dieser Form nur einmal gibt und diese mit dem Tod des Körpers erlischt. Das eigentliche Leben in uns jedoch, nämlich die schöpferisch-natürliche Geistform, das Teilstück Schöpfungsgeist, kann vom materiellen Tod nicht geharmt, angegriffen oder berührt werden. Unsere Geistform ist nämlich feinstofflich, reingeistig und von schöpfungsgleicher Beschaffenheit und somit ist sie der Gesetzmäßigkeit des materiell wirkenden Todes nicht ausgeliefert. Die obige Behauptung der Materialisten ist also eine höchst engstirnige, kurzsichtige, dumme und sogar menschenverachtende Einstellung, die wirklichkeitsfremd, fatal und verantwortungslos ist, weil sie den tiefen Sinn allen Lebens verneint, verleugnet oder schlicht ignoriert. Ein Mensch, der sich mit diesem unbefriedigenden Irrtum nicht zufriedengibt, wird solange forschen und suchen, bis er – seinem schöpferischen Drang des Strebens folgend – zum Ziel gelangt und die Wahrheit des Lebens und des Todes findet, nämlich die Wahrheit und Erkenntnis, dass der Weg zugleich das Ziel ist und dass der Weg des Lebens zum Zwecke der Evolution des Bewusstseins begangen werden muss, damit eines Tages unsere Geistform eine Einheit mit der urgewaltigen Schöpfung, dem Universalbewusstsein bilden kann. Der Tod ist im diesseitigen, materiellen Lebensbereich sehr wohl real und existent; daher sollten wir uns dessen wirklich bewusst werden, dass alles was wir momentan unser „eigen“ nennen, uns nur zeitweise begleitet und uns als Geschenk des Lebens geliehen ist, wobei wir uns diese Geschenke in Form von guten zwischenmenschlichen Beziehungen, von Liebe, Frieden, Harmonie, Glück usw. selbst geben, je nachdem was wir aus unserem Leben machen, wie wir uns dazu stellen und wie es uns gelingt, uns die wirklich wichtigen Werte im Leben bewusst zu machen. Zu den Geschenken gehören auch die negativen Kräfte und Aspekte des täglichen Lebens wie Misserfolge, Unglück, negative Emotionen, Enttäuschungen, Niederlagen, Schmerz, Leid, Krankheit und Tod, denn diese bilden die Gegenpole zu allem Positiven. Das Negative aber trägt wiederum das Positive in sich, weil es uns Dinge lehrt, die wir ohne seine Existenz nicht erfahren, erleben und erkennen könnten. Die Geisteslehre sagt dazu: „Das Leid trägt die Lehre der Weisheit.“ So lässt uns beispielsweise oftmals ein Verlust (oder schon die Vorstellung davon) lernen, was wir etwas bis zum Zeitpunkt des Verlustes nicht zu schätzen und zu würdigen wussten, so etwa der Tod eines liebgewonnenen Menschen. Daher ist es angebracht, immer wieder darüber nachzudenken, welches Glück man hat, von liebevollen Menschen umgeben zu sein, was einem lehrt dankbar zu sein und diesen Zustand und die Menschen zu schätzen, die einem Gutes entgegenbringen und sich aus diesem Wissen heraus tugendhaft, freudig und würdevoll den Menschen und dem Leben gegenüber zu verhalten.

Die Vergänglichkeit kann unser großer Lehrmeister sein, wenn wir sie im Lichte der schöpferischen Wahrheit richtig erkennen und weise Schlüsse daraus ziehen, die uns das Leben bewusster, dankbarer, liebevoller, voller Güte und weiser leben lassen, wenn wir uns durch das richtige Betrachten, Analysieren, Erkennen und durch das erlebende Erfahren der Lebensgesetze selbst belehren.

Kommen wir zum Ausgangspunkt zurück: Ja, das Leben ist uns von der Schöpfung geliehen und jeder Moment der Zeit ist uns als ein Geschenk gegeben, das wir nutzen oder auch sinnlos verstreichen lassen können, je nach dem Masse, wie wir uns den tiefen, wahren und schönen Sinn des Lebens mit allen seinen Konsequenzen wirklich bewusst machen. Zugleich ist unsere unsterbliche Geistform quasi unser „Eigentum“, die wir kraft unseres Bewusstseins und die ihm innewohnende Kraft des Strebens immer höher entwickeln, wobei uns nichts jemals verlorengehen kann, weil alles für alle Zeiten in den feinstofflichen Speicherbänken und als bleibende Werte in der Geistform selbst festgehalten wird, die dadurch immer größer in ihrer Liebe und Weisheit anschwillt. Ein Mensch, der das erkennt, weiß wohin er geht und dass sein Leben einen unermesslich tiefen Sinn hat. Er weiß, dass er trotz der Vergänglichkeit des Materiellen, trotz aller Rückschläge, Enttäuschungen und Schmerzen immer seinen Weg finden und weiter beschreiten wird, der ihn über sehr viele Leben hinweg dereinst zur Urquelle der Liebe, zur Schöpfung führen wird.

Achim Wolf, Deutschland