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Das Europäische Erbgut ist keineswegs lupenrein

Jäger, Sammler, Bauern und ein Mischmasch aus Eurasiern und Amerikas Ureinwohnern: Die Europäer insgesamt weisen kein lupenreines Erbgut auf. Menschen im Norden haben andere Ahnen-Anteile als Südeuropäer.

Wissenschaftlichen Forschungen zufolge, die im Fachmagazin Nature erschienen, stammen fast alle heutigen Europäer von mindestens drei verschiedenen Völkern ab: Jägern und Sammlern aus Westeuropa, ersten europäischen Bauern und von einem Volk aus dem Norden Eurasiens, das wiederum eine Verbindung zu den Ureinwohnern Amerikas besitzt.

Als die Ureinwohner Europas noch Jäger und Sammler, also Nomaden waren, entstanden vor etwa 11.000 Jahren im Nahen Osten bereits die ersten bäuerlichen Kulturen. Die Menschen dort hatten begonnen, Pflanzen anzubauen und Tiere zu domestizieren und wurden demzufolge sesshaft. Langsam breitete sich diese bäuerliche Lebensweise auch nach Westen aus.

In Mitteleuropa vollzog sich dieser Umbruch vermutlich vor etwa 7.500 Jahren. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Erbgut der ersten europäischen Bauern sich stark von dem der europäischen Jäger und Sammler unterscheidet und mehr Ähnlichkeiten mit dem modernen Menschen aus dem Nahen Osten aufweist.

Allerdings reichen diese zwei Populationen nicht aus, um die Abstammung der heutigen Europäer genau zu erklären. Forscher untersuchten deshalb das Erbgut von insgesamt neun Ureuropäern: von einer etwa 7.000 Jahre alten Bäuerin, die in Deutschland gefunden wurde und von acht etwa 8.000 Jahre alten Jägern und Sammlern aus Luxemburg und Schweden. Danach verglichen sie dieses Erbgut mit dem von 2.345 Menschen aus 203 modernen Populationen weltweit.

Die Auswertung ergab, dass die meisten heutigen Europäer Spuren von drei Populationen in ihrem Erbgut haben. Neben den frühen Bauern und den Jägern und Sammlern Westeuropas finden sich auch Spuren einer Population aus Nordeurasien. Diese verbindet die Europäer genetisch mit den Ureinwohnern Amerikas. Diese Gene kamen wahrscheinlich erst später als die ersten Bauern nach Zentraleuropa.

Der Anteil der jeweiligen Vorfahren unterscheidet sich zwischen den heutigen Europäern ganz erheblich. Die Nordeuropäer haben mehr Gene von Jägern und Sammler in sich, oft bis zu 50 Prozent. Südeuropäer haben mehr bäuerliche Ahnenanteile.

Die Forscher fanden heraus, dass sowohl Jäger und Sammler als auch die ersten Bauern eine hohe Anzahl des Amylase-Gens aufweisen, was bedeutet, dass sich die Menschen an eine stärkereiche Ernährung angepasst hatten. Es wird auch vermutet, dass die Jäger und Sammler eine dunklere Hautfarbe als die Bauern hatten.