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Thailand heisst Papst Franziskus willkommen

(AP) Wenn Papst Franziskus heute zu seinem ersten Besuch in Bangkok eintrifft, wird er von vielen Gläubigen begrüßt werden – aber auch die Buddhisten, die hierzulande sehr tolerant anderen Glaubenrichtungen sind, freuen sich auf diesen Besuch.

Bereits vor 500 Jahren trafen die ersten katholischen Missionare in Thailand ein und wurden seitdem immer akzeptiert. Bis zum Jahre 1940, als Militarismus und Fremdenhass überhand nahmen. Damals wurden sieben katholische Dorfbewohner im Nordosten Thailands hingerichtet, weil sie sich weigerten ihre Religion aufzugeben. Diese sieben Märtyrer, die ersten in Thailand, wurden von Papst Paul II 1989 selig gesprochen und könnten somit später sogar heilig gesprochen werden.

Jedes Jahr am 22. Oktober, dem Tag ihrer Seligsprechung, wird in dem Dorf in dem sie starben, ihrer bei einem Umzug und einer Messe gedacht. Der Schrein, der für sie gebaut wurde, ist ein regelmäßiges Ziel für Katholiken aus dem ganzen Land, genauso wie das Erziehungszentrum, das ihnen geweiht wurde.

Die Ermordung der sieben Märtyrer war politischer Natur  

Die relative unbekannte Geschichte der sieben Märtyrer ist mehr politisch als religiös. Sie waren die Opfer einer Welle von Nationalismus, einer oportunistischen Politik, eingeführt von dem damaligen thailändischen Diktator, Ministerpräsident Phibunsongkhram, um sich an Kränkungen durch westliche Mächte zu rächen, gleichzeitig aber das Land nach westlichen Modellen zu modernisieren. Das westliche Modell war ähnlich dem faschistischem Italien Mussolonis.

Katholiken tragen ein Podest mit den Fotos der sieben Märtyrer beim Umzug in Christ Church, im Songkhon Dorf der Mukdahan Provinz am 19. Oktober 2019, dem 30. Jahrestag der Seligsprechung der Märtyrer. (AP Photo/Sakchai Lalit)

Katholiken tragen ein Podest mit den Fotos der sieben Märtyrer beim Umzug in Christ Church, im Songkhon Dorf der Mukdahan Provinz am 19. Oktober 2019, dem 30. Jahrestag der Seligsprechung der Märtyrer. (AP Photo/Sakchai Lalit)

„Katholiken waren das perfekte Symbol des Imperialismus und der Antithese der nationalen Identität durch ihre Verbindung mit Frankreich, ihrer Geschichte der politischen Einmischung und dem Fakt, dass die getauften Katholiken meist einer ethnischen Minderheit angehörten“, sagte Shane Strate, ein Geschichtsprofessor der Kent State Universität in den USA.

Das Dorf Songkhon mit zirke 500 bis 600 Einwohnern, in der Mukdahan Provinz, 550 Kilometer nordöstlich von Bangkok, war eine von etlichen katholischen Siedlungen in dieser Gegend. Es gab dort eine Kirche, eine Kirchenschule, einen französischen Priesert und zwei Nonnen aus einem Kloster in Laos, das nur durch den Mekhong Fluss von dieser Provinz getrennt ist.

Sechs Polizisten wurden im November 1940 in dieses Dorf, nach der Attacke Thailands gegenfranzösisch Indochina, versetzt. Boonlue Muangkote, der Kommandant, führte die Befehle der Nationalisten begeistert aus. Die Dorfbewohner sollten gezwungen werden ihren katholischen Glauben aufzugeben und zum Buddhismus zu wechseln. Der französische Priester, Paul Vater Fige, wurde nach Laos deportiert, da Boonlue dachte, dass die Abwesenheit des Priesters den Willen der Dorfbewohner brechen würde. Aber dem war nicht so, der Katechet Philip Siphong Onphitak übernahm die Führung bis zum 16. Dezember, als er von Boonlue im Dschungel ermordet wurde. Zwei Nonnen von der ‘Lovers of Holy Cross Congregation’, Agnes Phila and Lucia Khambang, übernahmen daraufhin die Führung der Widerständler. Nachdem sie am 22. Dezember bei einer Machtprobe verloren, entschlossen sie sich für ihren Glauben zu sterben.

Am Heiligen Abend schreib Schwester agnes einen Brief an Boonlue und gab darin diese Absicht bekannt, ihn auffordernd seine Drohung wahrzumachen und das ‚Tor des Himmels für sie zu öffnen‘. Sie schrieb wörtlich: „Wir fordern Sie auf ihre Befehle auszuführen. Zögern Sie keinen Tag länger. Wir sind bereit unser Leben, das ER uns geschenkt hat, Gott zurückzugeben. Wir erlauben es nicht, Opfer von Teufeln und Geistern zu sein“.

Gleich nachdem Boonlue am nächsten Tag den Brief erhalten hatte, führte er die beiden Nonnen und eine Handvoll Gläubiger zum Friedhof, wo alle sieben, die beiden Nonnen, Agatha Phutta, 59, und drei junge Mädchen, Cecilia Butsi, Bibiana Khampai und Maria Phon, erschossen wurden.

Boonlue wurde im Juni 1941 versetzt, es dauerte aber bis 1944, als sich das Schicksal gegen Japan und Ministerpräsident Phibunsongkhram wendete, er abtreten musste und die Verfolgung der Christen aufhörte.